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Futterwerte nach GfE 2023 – was ändert sich in WebFuLab und im Labor?

Futterwerte nach GfE 2023 – was ändert sich in WebFuLab und im Labor?   

Mit der Herausgabe der Empfehlungen für die Milchkuh „GfE (2023): Energie- und Nährstoffbedarf landwirtschaftlicher Nutztiere Nr 12. Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Milchkühen. DLG Verlag, Frankfurt am Main“ kommen auf die Fütterungsberater, die Futtermittellabore und die Landwirte größere Veränderungen zur Berechnung einer Ration zu.

Neben der Einführung vieler englischsprachiger Begriffe und Abkürzungen rückt der Fokus der Fütterung jetzt hin zur tatsächlichen Trockenmasse (TM)-Aufnahme der Tiere. Rohfaser als Parameter spielt in Zukunft keine Rolle mehr; die dünndarmverdaulichen Proteinwerte und die Verdaulichkeit stehen im Vordergrund. Die gewohnte Nettoenergie-Laktation (NEL) entfällt; in der Energieberechnung wird die bisherige umsetzbare Energie ME durch MEWK2023 ersetzt, wobei WK für Wiederkäuer und 2023 für die Jahreszahl der GfE-Vorgaben steht.

Auf diese Veränderungen ist das LKV Bayern – sowohl das Futtermittellabor als auch die Fütterungsberatung – bestens vorbereitet.

Neue Kennwerte bei der Futtermittelbewertung:


Abkürzungen und Begriffe neu gefasst – Der Begriff Kraftfutter wird durch Konzentratfutter ersetzt. Die Rohnährstoffe werden zukünftig statt mit X für Roh mit C für Englisch crude abgekürzt, z.B. CA = Rohasche.

Verdaulichkeit der Organischen Substanz (OMD) – Diese wird anhand des Rohproteins (CP), der Neutral Detergent Fibre (aNDFom) und der Gasbildung (GB) berechnet. Sie wird für die Bestimmung der Umsetzbaren Energie (ME) und des Mikrobiellen Rohproteins (MCP) benötigt.

Futteraufnahmeniveau (FAN) – In der neuen Futterbewertung ändert sich der Energie- und Eiweißgehalt (MEWK2023 und sidP) eines Futtermittels in Abhängigkeit von der Futteraufnahme. Um eine einheitliche Darstellung zu gewährleisten, wurde festgelegt, dass Futterwerte immer auf Basis Futteraufnahmeniveau 1 (FAN1) angegeben werden.

Umsetzbare Energie Wiederkäuer (MEWK2023) – Die neue MEWK2023 wird in einem dreistufigen Verfahren bestimmt. Sie kann deswegen mehr oder weniger große Unterschiede zur alten ME aufweisen. Zukünftig wird sie die Einheit NEL (Netto Energie Laktation) ablösen.

Dünndarmverdauliches Protein (sidP) – Das sidP setzt sich aus dem dünndarmverdaulichen MCP und dem pansenbeständigen, dünndarmverdaulichen Protein (UDP) zusammen.

Ruminale Mikrobielle Differenz (RMD) – Die RMD ersetzt die RNB (Ruminale Stickstoff-Bilanz). Sie bezieht sich auf die Verfügbarkeit des Stickstoffs im Pansen und ist daher nicht mit der RNB vergleichbar.

Quelle: Institut für Tierhaltung, Tierernährung und Futterwirtschaft der LfL

Um für unsere Kunden die Umstellung so gut und so einfach wie möglich darzustellen, erweitern wir in enger Abstimmung mit dem Institut für Tierhaltung, Tierernährung und Futterwirtschaft (ITF) der LfL, die Ergebnisausgabe in WebFuLab um die neuen notwendigen Parameter und geben beispielsweise beide Energiewerte NEL und MEWK2023 vorerst nebeneinander aus. Damit erhalten Sie als Landwirt ein Gefühl dafür, wie die neuen Gehalte zu bewerten sind, und gleichzeitig hilft es, sich an die MEWK2023 zu gewöhnen.

Besonderes Augenmerk liegt bei den neuen Parametern auf der expliziten Trockenmasseaufnahme der Tiere. Wie im Kasten oben beschrieben, ändern sich die Futterwerte in Abhängigkeit dieses Futteraufnahmeniveaus (FAN). FAN wird zukünftig in den Stufen 1 – 4,5 in ZiFo bei der Rationsberechnung miteinbezogen. Eine höhere Futteraufnahme durch das Tier bedingt eine höhere Passagerate des Futters und damit eine Verringerung der Verweildauer im Verdauungstrakt. Dies wiederum führt zu einer Verringerung der Ausnutzung der Nährstoffe aus den Futtermitteln. Der vom LKV-Futterlabor Bayern an Sie übersendete Ergebnisbericht und die Detailansicht in WebFuLab geben standardmäßig die Energie MEWK2023 zur besseren Vergleichbarkeit für FAN1 aus. Dem Futteraufnahmeniveau 1 liegt die Formel 50g TM*Lebendmasse 0,75 zugrunde.

FAN1 beschreibt die Futteraufnahme für Tiere, die im Bereich des energetischen Erhaltungsbedarfs ernährt sind. Dies entspricht bei einer angenommenen Körpermasse von 650 kg einer TM-Aufnahme von 6,5 kg. Legt man umgekehrt eine TM-Aufnahme von 23 kg zugrunde, so erhält man ein FAN von 3,6 bei 650 kg Körpermasse. Zur Erstellung einer Ration ist damit eine möglichst korrekte Einschätzung der Futteraufnahme der Herde notwendig.

Zur Beurteilung dieser Veränderungen wurde in Zusammenarbeit mit dem ITF eine Arbeitsgruppe mit LKV-Fütterungsberatern installiert. Bis zur tatsächlichen Einführung des neuen Systems sollen dadurch erste praktische Erfahrungen im Umgang mit den neuen Werten gesammelt werden, die dann auch den Kollegen zugutekommen.

Ab Ende Oktober 2025 wird unsere Online-Plattform WebFuLab und auch die LKV-FuLabApp auf diese neuen Anforderungen umgestellt. Im Einzelnen werden folgende Änderungen vorgenommen: Rohfaser entfällt als Parameter für Wiederkäuer, da dieser Parameter in der Verdaulichkeit und der Energieaufnahme keine Rolle mehr spielt. Dafür werden die Verdaulichkeit der organischen Substanz (OMD), das dünndarmverdauliche Protein (sidP) und die Ruminale Mikrobielle Differenz (RMD) aufgenommen und ausgewiesen.

Dies findet nicht nur Anwendung für neu eingesendete Proben, sondern auch für bereits im LKV-Futterlabor vor der Umstellung untersuchte Proben sowie für alle regionalen und bayerischen Vergleichswerte. So dass Sie, wenn Sie Ihre Proben nach der Umstellung im System abrufen, sofort einen Überblick haben, wie Ihre Proben auch retrospektiv nach den neuen Empfehlungen zu bewerten und wie sie im Vergleich zu anderen Futterproben aus der Region bzw. ganz Bayern einzuordnen sind.

Wenn Sie Fragen zur Bewertung Ihrer Futtermittel nach den neuen Empfehlungen haben, wenden Sie sich gern an Ihren Fütterungsberater oder unser LKV-Futterlabor Bayern. Unsere Mitarbeiter stehen Ihnen immer gerne mit Rat und Tat zur Seite.

 

Marion Nies, Laborleitung LKV-Futterlabor Bayern

Josef Jungwirth, Leitung LKV-Beratungsgesellschaft mbH

Die Abbildung zeigt einen Ergebnisbericht nach den neuen Anforderungen. Mit der gleichzeitigen Angabe der gewohnten NEL und der neuen MEWK2023 hoffen wir, den Übergang so leicht wie möglich zu machen

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