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Fokus Pflanzenbau

Fokus Pflanzenbau

– Interview zum Pflanzenbau mit dem Vorsitzenden Jürgen Dietrich und dem Geschäftsführer Dr. Florian Botzler vom LKP Bayern

Das LKP im Interview: Geschäftsführer Dr. Florian Botzler (li.) und Vorsitzender Jürgen Dietrich (re.) reden über die Leistungen des bayerischen Pflanzenbaus. Fotos: LKP

Die Leistungen unserer bayerischen Landwirtschaft sind umfangreich. In diesem LKV Magazin wollen wir die Vielfalt beleuchten. Die nachhaltige Nutzung und Pflege unserer Böden und der damit verbundene Pflanzenbau sind für die Versorgung mit Lebensmitteln und die Gewinnung von Futterpflanzen elementar. Immerhin wird knapp die Hälfte unserer bayerischen Kulturlandschaft landwirtschaftlich genutzt, davon etwas mehr als 65 % ackerbaulich. Knapp 35 % sind Dauergrünland (Bayerischer Agrarbericht 2022). Die Nutzung dieser Ressourcen prägt Bayern in allen Bereichen.

Für die pflanzenbauliche Expertise haben wir uns an das LKP Bayern gewandt. Im Interview per Videokonferenz mit dem Vorsitzendem Jürgen Dietrich und Geschäftsführer Dr. Florian Botzler sprechen wir über den bayerischen Pflanzenbau. Wir wollen wissen, welche Leistungen auf Bayerns Feldern für Ernährung, Klima, Boden und Wasser erbracht werden. Schließlich wagen wir einen Ausblick auf künftige Entwicklungen in diesem Bereich.

Das LKP Bayern ist mit ca. 70.000 Mitgliedern ebenso wie das LKV Bayern eine staatlich anerkannte Selbsthilfeeinrichtung von Erzeugerringen für pflanzliche Produktion und ökologischen Landbau. Die Erzeugerringe sind je nach Aufgabenstellung zehn Fachgruppen zugeordnet: Saat- und Pflanzgut, Qualitätsgetreide, Qualitätskartoffeln, pflanzliches Eiweiß, Gartenbau, Hopfen, Zuckerrüben, Weinbau, ökologischer Landbau sowie Baumschulgehölze inkl. Wald- und Forstpflanzen. Das LKP vertritt die Interessen seiner Mitglieder vor der Politik. Im Rahmen von gemeinsamen Projekten mit staatlichen Organisationen werden im Sinne der Nachhaltigkeit die marktgerechte Erzeugung und die Qualitätsverbesserung der pflanzlichen Produkte gefördert.

Das LKP hat 2022 sein 50-jähriges Bestehen gefeiert, wie haben sich in dieser Zeit die Fragestellungen im bayerischen Pflanzenbau verändert?

Dietrich: Da hat sich einiges verändert. Mitte der siebziger Jahre haben wir noch deutlich mehr Gemischtbetriebe betreut. Damit hatte der Anbau von Futtermitteln noch eine viel höhere Bedeutung. In dieser Zeit haben wir aber eine massive Intensivierung der Landwirtschaft erlebt. Forschung und Innovation im Bereich Pflanzenschutz brachten nennenswerten Ertragszuwachs. In den achtziger Jahren gewann dann die Rolle des Qualitätsweizens für Backwaren an Bedeutung.

Botzler: Darüber hinaus hat es ganz grundlegende Veränderungen gegeben. Während früher die Erzeugung von Lebensmitteln im Fokus stand, kommt heute so viel mehr dazu: Da sind die Pflege und der Erhalt der Kulturlandschaft, die Förderung der Biodiversität und besonders der Wandel der gesellschaftlichen Anforderungen zu nennen. All diese Aufgaben müssen jedoch auch immer in Einklang mit der Wirtschaftlichkeit eines Betriebes gebracht werden. Dies ist eine große Herausforderung für die gesamte Landwirtschaft.

Die drei größten Herausforderungen für den bayerischen Pflanzenbau: Düngeverordnung, Reduzierung des Pflanzenschutzes um 50 % und der Klimawandel. Foto: Fotolia_76050192_L_Countrypixel
Was sind für Sie aktuell die drei größten Herausforderungen im bayerischen Pflanzenbau?

Dietrich: Die Düngeverordnung ist wohl die größte Herausforderung für alle Betriebe. Die geforderten geringeren Stickstoffgaben werden sich deutlich auf die Erzeuger von Qualitätsweizen auswirken. Das zweite Thema ist die Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln um 50 %.

Botzler: Die dritte große Herausforderung ist ganz klar der Klimawandel. Die Landwirte haben zunehmend mit Extremwetterereignissen zu kämpfen. Sie müssen auf Trockenperioden und Starkregenereignisse reagieren. Zudem gibt es noch eine Vielzahl an politischen Rahmenbedingungen und Einschränkungen. Das alles zusammen macht es nicht immer leicht für die bayerischen Landwirte.

Wie unterstützt das LKP seine Landwirte und Gärtner dabei, diesen Herausforderungen entgegenzutreten?

Dietrich: Mit Rundschreiben und kulturindividuellen Beratungsfaxen halten wir unsere Mitglieder auf dem Laufenden. Zusätzlich bieten wir eine Vorortberatung und eine Düngeberatung an. Mittels regionalen Schadschwellenmonitoring geben wir Empfehlungen für den Pflanzenschutz ab.

Botzler: Grundsätzlich geben die Fragestellungen unserer Mitglieder unser Angebot vor. Wir versuchen jeden Betrieb individuell passend zu betreuen. Dazu gehört auch, dass wir die Bauern dabei unterstützen, gesellschaftlichen Wünschen entgegenzukommen und natürlich auch die Ökonomie nicht aus den Augen zu verlieren. Unsere Aufgabe ist es, unseren Mitgliedern dabei zu helfen, ihre Betriebe im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben zukunftsfähig ausrichten zu können.

Welche Chancen ergeben sich für die Landwirte durch die Möglichkeit, mittels nachwachsenden Rohstoffen Energie zu erzeugen?

Botzler: Die Betriebe können durch ein weiteres Standbein zusätzliche Wertschöpfung generieren. Mit der selbsterzeugten Energie können sich Betriebe zumindest teilweise selbst versorgen bzw. zusätzliche Einnahmen generieren. Die Landwirte sehen hier den Bedarf, sich zu bewegen und tun es auch. Daneben kann die lokale Energieerzeugung auch zum positiven Image der Landwirtschaft beitragen. Ich rechne damit, dass das Erzeugen von Energie auf den landwirtschaftlichen Betrieben weiterhin an Bedeutung gewinnen wird.

Welchen Stellenwert hat die Erzeugung von heimischem Eiweiß für die Versorgung von Mensch und Tier? Wie hat sich dieses Thema in den letzten Jahren entwickelt?

Dietrich: Nach der Eiweißinitiative des ehemaligen Landwirtschaftsministers Brunner haben Erbsen, Soja und in geringem Umfang Lupinen insbesondere als Futtermittel an Bedeutung gewonnen. Auch als Nahrungsmittel für uns Menschen finden sie in einem gewissen Umfang mehr Beachtung. Insbesondere die Sojabohne zeigt auf Grund des Klimawandels großes Potential. Züchterisch muss diese Kultur noch besser an die lokalen Gegebenheiten angepasst werden.

Botzler: Die Sojabohne hat sich mittlerweile in Bayern etabliert. Der Sojaanbau in Bayern steigt kontinuierlich, mittlerweile sind es rund 30.000 ha. Wir beraten deshalb intensiv zu Anbau, Sortenempfehlungen und Wirtschaftlichkeit.

Die Sojabohne zeigt auf Grund des Klimawandels großes Potential. Mittlerweile werden in Bayern ca. 30.000 ha angebaut. Foto: LKP
Wie wird sich die Bedeutung des ökologischen Landbaus entwickeln?

Dietrich: Das wird der Markt entscheiden. Bioprodukte werden nachgefragt, ich habe aber den Eindruck, dass wir derzeit keine noch größere Menge absetzen können.

Botzler: Die Bedeutung des ökologischen Landbaus ist in Bayern vergleichsweise groß. Die Produktionsweise muss zum Betrieb, den Präferenzen der Betriebsleiterfamilie, der Region und nicht zuletzt zu den Absatzmöglichkeiten passen. Wir unterstützen über die vier Verbände Demeter, Bioland, Naturland und Biokreis, die alle beim LKP Mitglied sind, die ökologisch wirtschaftenden Betriebe in allen Fragen zum landwirtschaftlichen Pflanzenbau. Wir beraten die Landwirte aber auch vorab, ob eine Umstellung sinnvoll ist, welche Herausforderungen eine Neuausrichtung des Betriebes mit sich bringt und natürlich auch welche betriebswirtschaftlichen Auswirkungen die Veränderung der Wirtschaftsweise mit sich bringen kann.

Welche Entwicklungen sehen sie im Bereich Düngung?

Dietrich: Landwirte mit Marktfruchtbau werden mit den Vorgaben der Düngeverordnung schlechtere Qualitäten und damit auch niedrigere Erlöse hinnehmen müssen. Das kann insbesondere für Betriebsleiter in roten Gebieten 200-250 € weniger Umsatz bedeuten. Sofern es die Fruchtfolgen zulassen, werden Kulturen, die weniger Stickstoff benötigen, an Bedeutung gewinnen. So kann der Anbau von Braugerste als Alternative zu Raps sinnvoll sein. Aber auch das wird zu niedrigeren Erlösen führen. Die Herausforderungen im Futteranbau sind noch deutlich komplexer. Aber beim LKV Bayern sind die Tierhalter mit Fragen rund um Güllelager und -ausbringung, Fütterung und Haltung in guten Händen.

Wo sehen sie im Bereich Nachhaltigkeit der Landwirtschaft im Bereich Pflanzenbau und Bodenschutz Forschungsbedarf?

Dietrich: Das ist ein großes Thema und es gibt viele Bereiche, an denen die Wissenschaftler arbeiten. Dazu gehört die nachhaltige Wasser- und Ressourcennutzung, die Energieerzeugung, die Berechnung von CO2-Bilanzen, nachhaltige Düngekonzepte, neue Kulturen und vieles mehr. Darüber hinaus können sich Fragestellungen ergeben, an die wir derzeit noch gar nicht denken.

Botzler: Gerade bei uns in Bayern wird im Bereich Nachhaltigkeit viel geforscht. Auch wir als LKP sind an zahlreichen Forschungsprojekten in Zusammenarbeit mit dem StMELF, der LfL, den Hochschulen und dem Umweltbundesamt beteiligt. Unser Ziel ist es dabei immer, die Erkenntnisse aus der Forschung unseren Mitgliedern praxistauglich zu Verfügung zu stellen.

Landwirtschaft prägt Bayern – Landwirte und landwirtschaftliche Organisationen müssen auf die Leistungen der Landwirtschaft aufmerksam machen. Foto: LKP
Denken Sie, dass es sowohl in der Gesellschaft als auch in der Landwirtschaft ausreichend Bewusstsein für die zahlreichen Leistungen der Landwirtschaft gibt?

Dietrich: Die Leistungen der Landwirtschaft sind umfangreich. Ich denke, vielen Landwirten ist die Bandbreite nicht in ihrer Gänze bewusst. Ich sehe aber durchaus, dass immer mehr zukunftsorientierte Betriebsleiter auch einen guten gesamtgesellschaftlichen Blick auf die Dinge haben.

Botzler: Auf die zahlreichen Gemeinwohl-Leistungen der bayerischen Landwirte sollten wir immer wieder aufmerksam machen. Das muss nicht immer gleich der Instagram-Kanal sein, auch Gespräche und Gesten im Alltag haben große Wirkung. Das gilt für die Landwirte aber auch für uns als Organisation.

Was wollen Sie den LKV-Landwirten abschließend mit auf dem Weg geben?

Dietrich: Wir Landwirte stehen vor großen Herausforderungen. Wenn wir aber ehrlich sind, ging es uns schon immer so und es gibt uns immer noch.

Botzler: Das sehe ich ähnlich: Die Landwirtschaft, aber auch der vor- und nachgelagerte Bereich haben enorme Bedeutung. Die Strukturen werden sich ändern und es wird bestimmt nicht einfacher für jeden einzelnen Landwirt werden. Aber trotzdem wird es immer einen Platz für uns Landwirte geben!

Herr Dietrich und Herr Dr. Botzler, herzlichen Dank für das interessante Interview!

 

Sonja Hartwig-Kuhn

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