Wirkung eines Auslaufs mit Außenklima(reiz) auf die Gesundheit und Entwicklung von Absatzferkeln
Im Zuge des Umbaus der Schweinehaltungen hin zu tiergerechteren Systemen mit einer möglichen Vermarktung über Tierwohllabel gewinnen Stallungen mit Außenklima bzw. -reiz oder einem angebauten Auslauf immer mehr an Bedeutung.
Die Umbauten beschränken sich aktuell meist auf Mastställe und bisher lagen keine abgesicherten Ergebnisse zur Haltung von Ferkeln in diesen Systemen vor. Deshalb wurden 2021 an dem Ausbildungs- und Versuchszentrum (AVZ) der Bayerischen Staatsgüter (BaySG) am Standort Schwarzenau drei alternative Ferkelaufzuchtställe in Betrieb genommen. Im Rahmen eines Forschungsprojekts der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, gefördert vom Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus, wurden tier- und managementbezogene Parameter sowie ökonomisch relevante Daten erhoben. Der Versuch umfasste im Laufe von 2,5 Jahren in acht Versuchsdurchgängen (DG) insgesamt 2.100 unkupierte Aufzuchtferkel in vier verschiedenen Haltungssystemen. Betrachtet wurden sowohl Entwicklung, Gesundheit und Unversehrtheit des unkupierten Schwanzes, als auch Stallklima und dessen Auswirkungen auf Buchtenstruktur und -nutzung sowie die Funktionalität der Systeme.
Stallungen
Die Buchten der alternativen Systeme sind lang und schmal gestaltet und in Funktionsbereiche gegliedert: eine beheizte, eingestreute Liegefläche (gelb) an die ein Fress- und Aktivitätsbereich (grün) und ein Kotbereich mit Außenklima (-reiz, blau) anschließt (Abb. 2). Die maximal verfügbare Fläche pro Ferkel entsprach ca. 0,7 m² in zwei bzw. drei Klimazonen. In den Nature Line Systemen befand sich lediglich die, entweder in der Größe veränderbare oder abgedeckte, Liegefläche im warmen Liegehaus; im eingehausten Auslauf mit Außenklimareiz die übrigen Funktionsbereiche (s. Abb. 1). Das PigPort-System hingegen ist ein Kaltstall mit einer beheizten Liegekiste, wobei der Auslauf keine weiteren Strukturelemente enthält und sich im Außenklima befand. Die konventionelle Kontrolle (Tierwohlbucht) verfügte über 0,5 m²/Ferkel, eine geschlossene, beheizte Liegefläche im Kunststoffrostboden und zusätzliches Beschäftigungsmaterial. In allen Abteilen stand eine ad. lib. Trockenfütterung und Nippeltränken sowie durchgehend Heu zur Verfügung.
Stallklima und Buchtenverschmutzung
Der Einfluss des Außenklimas auf die Lufttemperaturen in den einzelnen Klimazonen wurde kontinuierlich erfasst. Gerade in den Wintermonaten stand zur Debatte, ob das hohe Wärmebedürfnis der frisch abgesetzten Ferkel erfüllt werden könne.
Seit Inbetriebnahme der Außenklima-Stallungen zeigten sich die Temperaturen in den Liegebereichen fast ausschließlich stabil und ausreichend (s. Abb. 3). Die Nature Line Variante mit verschiebbarer Rückwand und dem großen Raumvolumen wies durch den Lufteintrag über den Ferkelschlupf kurzzeitig niedrigere Temperaturen auf. Hier wurde mit Hilfe einer Eigenkonstruktion ein doppelter Vorhang installiert, der als Windfang fungierte. Die Ferkel nutzten in der kalten Jahreszeit die Funktionsbereiche entsprechend. Durch die teilweise großen, nicht regulierbaren Liegeflächen fielen Verschmutzungen an, die sich im Verlauf des Aufzuchtdurchgangs vergrößerten. Im Sommer glichen sich die Temperaturen im Tagesverlauf zwischen den Klimazonen an, die Ferkel nutzten den Auslauf durch die Luftbewegung mehr, was unter Umständen auch zu einer höheren Verschmutzung der Liegefläche führen kann, da die Attraktivität der Liegefläche abnimmt.
Abb. 3: gemittelte Lufttemperatur der einzelnen Klimazonen im Tagesverlauf innerhalb eines Versuchsdurchgangs im Winter (li.) und Sommer (re.)
Die klimatische Attraktivität und Größe der Liegefläche sind wichtige Faktoren in der Steuerung der Buchtennutzung. In DG1 (s. Abb. 4) stand 20 Ferkeln eine abgedeckte Liegefläche von 4,5 m² uneingeschränkt zu Verfügung. Durch den Flächenüberschuss wurde die Liegefläche im hinteren Teil verschmutzt, was zu einem erhöhten Arbeitsaufwand, aber auch zu einer erhöhten Ammoniak-Konzentration in der geschlossenen Liegekiste führte. In DG6 wurde die Liegefläche durch eine zweite, verschiebbare Rückwand abgeteilt, somit stand den Ferkeln zu Anfang lediglich eine Fläche von 2,1 m² abgedeckter Liegefläche zur Verfügung, die für alle Ferkel ausreichend Platz zum Liegen bot, aber keinen Flächenüberschuss, der eine Kotecke erlaubte.
Durch gezielte Managementmaßnahmen und Anpassungen konnte die Verschmutzung der Liegeflächen deutlich minimiert werden. Dazu gehört die am Liegeverhalten der Ferkel orientierte Klimaführung und die Anpassung der Liegeflächengröße. Im PigPort konnte die Verschmutzung der Liegefläche durch das Einsetzen einer verschiebbaren Rückwand in der Liegekiste deutlich verbessert werden (nahezu verhindert werden).
Abb. 4: Entwicklung der Buchtenverschmutzung nach Funktionsbereichen im Verlauf eines Aufzuchtdurchgangs im PigPort – links ohne und rechts mit verschiebbarer Rückwand
Tiergesundheit
Ein weiterer Aspekt stellte der Einfluss der Außenklimas auf die Tiergesundheit dar. Hierfür wurde die Anzahl der Behandlungen erhoben und anteilig für die gängigsten Krankheitsbilder dargestellt.
Der Anteil der zu behandelnden Ferkel war im Mittel über alle Behandlungsursachen in den Außenklimastallungen gegenüber der Tierwohlbucht ähnlich. Unterschiede zeigten sich in der Ursache der Behandlungshäufigkeiten: Der Anteil der Schwanzverletzungen der unkupierten Tiere war in der Tierwohlbucht (4,3 %) deutlich über dem Mittel der Außenklimastallungen (0,5 %). Der Anteil der Lahmheiten lag in allen Systemen zwischen 1,3 % und 2,0 % der Ferkel. Der Anteil der Atemwegserkrankungen ergab keine systematischen Nachteile der Außenklimastallungen.
Hinsichtlich der Tiergesundheit wiesen die alternativen Systeme demnach keine nachteilige Wirkung auf.
Die Tierverluste beliefen sich im Mittel über alle alternativen Stallungen auf 0,4 %, in der Tierwohlbucht auf 0,7 %. Dabei war zu beobachten, dass aus der Tierwohlbucht deutlich mehr Ferkel wegen Verletzungen des Schwanzes (4,3%) oder als „Beißer“ (1,8 %) in Krankenbuchten umgestallt werden mussten als in den Außenklimastallungen (je 0,1 %).
Gewichtsentwicklung und Futteraufwand
Die Aufzucht der Ferkel in alternativen Systemen warf die Fragen auf, ob die Ferkel auch in Außenklimaställen bei geringeren Temperaturen außerhalb der Liegefläche einen unveränderten Gewichtszuwachs zeigen und ob der Futteraufwand, aufgrund des höheren Energiebedarfs zum Wärmeerhalt, ansteigen würde.
Im Mittel über alle Versuchsdurchgänge und -abteile zeigten die Ferkel eine tägliche Zunahme von 470 g, welche keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Abteilen zeigte (s. Tab. 1).
Der Futteraufwand je Kilogramm Lebendmassezuwachs zeigte leicht höhere Werte von 1,9 kg im konventionellen Abteil gegenüber 1,8 kg in den Außenklimastallungen.
Der höhere Futteraufwand ließ sich auf die verschiedenen Vorlagetechniken und höheren Futterverluste in den ersten Versuchsdurchgängen zurückführen: In der Tierwohl-Bucht war in den ersten sechs Durchgängen ein AP-Swing Automat mit zusätzlichem, von Hand befüllten Anfütterungstrog, in den beiden letzten Durchgängen ein Domino-Futterautomat verbaut. In den beiden letzten Versuchsdurchgängen betrug der Futteraufwand 1,85 kg bzw. 1,82 kg in der Tierwohlbucht. Im gleichen Zeitraum betrug der Futteraufwand im Mittel in den Außenklimaställen 1,78 kg bzw. 1,75 kg.
Unversehrtheit des unkupierten Schwanzes
Als zentraler Aspekt des Versuchs wurde der Erfolg der Haltung unkupierter Ferkel in den verschiedenen Haltungssystemen untersucht. Für eine praxisnahe Einschätzung wurden alle Versuchsferkel zum Ende der Aufzucht von einem LKV-Berater auf die Unversehrtheit des unkupierten Schwanzes bonitiert (s. Tab. 1). Unterschieden wurde nach: ‚verkaufsfähig‘ und ‚nicht verkaufsfähig‘, wobei die verkaufsfähigen Tiere weiter differenziert wurden.
Der Anteil der unversehrten Ferkel in der Tierwohlbucht war mit 64,2 % deutlich geringer als in den alternativen Systemen mit im Mittel 95,8 %. Ebenso war der Anteil der leicht verletzten Ferkel, die sich in kurzer Zeit zu schwereren Verletzungen entwickeln könnten, in der Außenklimastallungen deutlich niedriger (0,4 %) im Vergleich zur Tierwohlbucht (4,5 %). Der Anteil von 20,4 % verkaufsfähiger, aber nicht als ‚Langschwanz‘ vermarktbarer Ferkel mit „abgeheiltem Längenverlust“ war in der Tierwohlbucht gegenüber den im Mittel 3,6 % in den Außenklimastallungen deutlich höher. Schließlich zeigte auch der Anteil der nicht verkaufsfähigen Tiere in der konventionellen Kontrollgruppe mit 11 %, im Vergleich mit den alternativen Systemen mit 0,1 %, weiterhin die Herausforderungen der Haltung unkupierter Ferkel in konventionellen Stallungen.
Bei Betrachtung der Ergebnisse der einzelnen Versuchsdurchgänge fällt auf, dass bis etwa DG4 in allen Versuchsstallungen eine Verbesserung der Ergebnisse zu beobachten war (s. Abb. 5). Dies lag an der kontinuierlichen Verbesserung des Managements in der Haltung der unkupierten Ferkel, also an einem „Lerneffekt“ der Betreuer. Deutlicher fällt aber die klare Überlegenheit der Außenklimastallungen auf, die in jedem Durchgang bessere Ergebnisse erzielten als die konventionelle Tierwohlbucht. Zudem verursachten die verletzten Ferkel in der Tierwohlbucht einen höheren Betreuungsaufwand.
Fazit
Keiner der drei im Versuch getesteten Außenklimastallungen zeigte negative Auswirkungen auf Wachstum und Gesundheit der Aufzuchtferkel. Auch wenn diese Stallsysteme kein ausschließlicher Garant für die Haltung unkupierter Ferkel sind, zeigten sie deutliche Vorteile im Erfolg mit unkupierten Tieren und deren Betreuungsaufwand, aber auch einen Mehraufwand bei täglichen Routinearbeiten.
In der konventionellen Tierwohlbucht könnten zu hohe Stalltemperaturen mit ursächlich für die häufigeren Schwanzverletzungen sein, was weiter zu untersuchen ist.
Mehr Infos zum Versuch und den Ergebnissen hier:
https://www.lfl.bayern.de/ilt/tierhaltung/schweine/288830/index.php
Dr. Christina Jais, Leiterin Institut für Tierhaltung, Tierernährung und Futterwirtschaft an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)
Magdalena Krebs, wiss. Mitarbeiterin, ITF 3c – Schweinehaltung, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)


