Wie man sich bettet, so schläft man: Der Moarhof setzt mit Wasserbetten auf verbessertes Tierwohl – dank LKV-Tierwohl App und LKV-Milchviehberatung
Dem Milchviehbetrieb Moarhof in Holzhausen am Starnberger See gelang es mithilfe der LKV-Tierwohl App und dem Beratungsangebot des LKV Bayern das Tierwohl im Stall deutlich zu steigern. Wir haben den Familienbetrieb, der auch Urlaub auf dem Bauernhof anbietet, besucht und mit Betriebsleiter Georg Ertl darüber gesprochen.
Idyllisch gelegen direkt am Starnberger See im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen bietet sich den Gästen des Ferienhofs mit voll bewirtschaftetem Milchviehbetrieb ein atemberaubender Blick auf die Alpen. Betriebsleiter Georg Ertl versorgt täglich 60 Kühe und rund 50 Kälber und Jungtiere der Rassen Braunvieh und Fleckvieh. Zusammen mit seiner Frau Daniela und den beiden Töchtern bewirtschaftet Georg Ertl für seine Milchkühe rund 30 Hektar Grünlandfläche. Zusätzlich baut er auf 13 Hektar Ackerland Mais, Weizen und Gerste an. Gefüttert wird eine Teil-TMR aus Grassilage, Maissilage, Gersten- und Weizenschrot, Körnermais, Rapsschrot, Kops und Mineralfutter. Außerdem gibt es eine Kraftfutterstation für das Milchvieh. Die durchschnittliche Milchleistung liegt bei 30 Liter pro Kuh am Tag mit einem Fettgehalt von 4,2 % und einem Eiweißgehalt von 3,65 %. Gemolken wird zweimal am Tag in einem Fischgrätenmelkstand Doppel 5er; ein Roboter sei in Planung – für mehr Zeit- und Arbeitsersparnis.
Verbesserte Tiergesundheit durch Tierwohl App
Die Kühe des Moarhofs leben in einem hellen, luftigen Boxenlaufstall, der ihnen Bewegungsfreiheit und Ruheplätze bietet. Ein Weidegang ist leider nicht möglich, da sich keine geeigneten Weideflächen in Hofnähe befinden. Umso wichtiger ist es Georg Ertl, dass sich die Tiere in seinem Stall wohlfühlen. Denn er weiß, gesunde Tiere sind weniger gestresst, widerstandsfähiger und erbringen bessere Leistungen. Durch gezielte Stallbaumaßnahmen und Managemententscheidungen konnte der 52-Jährige das Wohlbefinden seiner Tiere steigern. Geholfen haben ihm dabei – als MLP-Betrieb des LKV Bayern – die LKV-Tierwohl App sowie die LKV-Milchviehberatung.
Mit der App Probleme frühzeitig erkennen
Vor rund drei Jahren habe Georg Ertl vermehrt Probleme mit den Sprunggelenken der Kühe festgestellt, erzählt er, und die Tierwohl App habe seine Beobachtung bestätigt. „Mit Hilfe der Tierwohl App lassen sich Veränderungen und Probleme gut vor Augen führen. Wer seine Tiere so explizit beobachtet und monitort, sieht manche Dinge plötzlich klarer, die zuvor vielleicht untergegangen sind“, erklärt LKV-Tierärztin und Pro Gesund-Leiterin Sabine Rudin. „Zahlreiche Nutzer der Tierwohl App bestätigen das. Vor einer gewissen Betriebsblindheit ist eigentlich niemand sicher. Daher ist es umso wichtiger, an bestimmten Stellen mal genau hinzuschauen, und das auch zu dokumentieren. Die Tierwohl App bietet hierfür den perfekten Rahmen, nicht nur zur Durchführung der betrieblichen Eigenkontrolle. Dank der Auswertung im Herdenmanager kann der Nutzer auch gleich erkennen, ob die eventuell eingeleiteten Verbesserungsmaßnahmen den gewünschten positiven Effekt haben – so wie beim Betrieb Ertl.“
Wasserbetten als Lösung
Mit den Daten und Auswertungen der LKV-Tierwohl App in der Hand hatte Georg Ertl die Gelenkprobleme seiner Tiere plötzlich schwarz auf weiß vor sich. Handlungsbedarf war für ihn damit eindeutig. Um geeignete und für seinen Stall passende Maßnahmen für verbessertes Tierwohl und Tiergesundheit zu ergreifen, holte sich Georg Ertl Rat bei LKV-Kuhkomfort- und Melkberater Georg Sachsenhammer. Der bestätigte bei seinem Besuch auf dem Moarhof, dass sich die Gummimatten in den Liegeboxen zu schnell abnutzen und so den Gelenken der Tiere schaden. Als Lösung empfahl er Wasserbetten. „Denn nur wenn die Kuh sicher und bequem liegen und wiederkäuen kann, produziert sie Milch“, sagt Georg Ertl. So kamen die Gummimatten raus und Wasserbetten rein. Damit wird sichergestellt, dass die Kühe weich liegen und keine Druckstellen bekommen. „Das punktuelle Aufliegen der Gelenke auf der harten Oberfläche stört die Blutzirkulation an dieser Stelle. Dadurch kann es zu kahlen Stellen, Schwellungen oder im schlimmsten Fall sogar zu offenen Wunden kommen. Wenn sich diese infizieren, kann eine Gelenkentzündung die Folge sein. Abgesehen von den damit verbundenen Schmerzen für die Kuh, führt das natürlich zu Tierarztkosten und kann auch die Milchleistung negativ beeinflussen“, erklärt Sabine Rudin.
Erfolgreiche Maßnahmen dank Beratung
Rückblickend sagt Georg Ertl, haben sich die Wasserbetten mit zwei Kammern mehr als bewährt: Die Gelenke der Kühe sind gesund, die Tiere liegen trocken und sauber und auf einer kühlenden Boxenoberfläche, die zudem Hitzestress vermeidet. „Trotzdem ist es mir wichtig, zusätzlich Strohmehl einzustreuen“, betont Ertl, „die Tiere liegen einfach noch bequemer. Wir wissen ja alle: Wie man sich bettet, so schläft man.“ Und weil die alten Nackenrohre zu niedrig für die Wasserbetten waren, baute der Moarhof-Betriebsleiter, der den Hof 1996 von seinem Vater übernommen hat, gleich noch neue, geschwungene Nackenrohre ein. „So haben wir Tiergesundheit und Stabilität miteinander verbunden.“
Im Zuge der Beratung wurde außerdem ein Lüfter zur Verringerung von Hitzestress installiert und ein Anschieberoboter für eine erhöhte Futteraufnahme angeschafft. Darüber hinaus riet Georg Sachsenhammer zu einem Spaltenroboter für mehr Sauberkeit. „Der Spaltenroboter ist absolut super“, bestätigt Georg Ertl. „Er verbessert nicht nur die Klauengesundheit, sondern ist auch eine enorme Arbeitserleichterung.“ „Und“, sagt Ertl und lacht, „der Stall sieht einfach viel schöner aus.“
Georg Ertl setzt auf Apps
Wie zufrieden Georg Ertl mit der LKV-Beratung und der Tierwohl App ist, wurde in unserem Gespräch schnell klar. Welche Vorteile das LKV Bayern ihm denn sonst noch bringe, wollten wir zum Schluss von ihm wissen: „Gerade das Milchmessen ist das wichtigste Instrument, das ein Landwirt bekommen kann“, antwortete er. „Die Milchleistungsprüfung liefert uns Landwirten wertvolle Daten zur Leistung und Gesundheit jeder einzelnen Kuh. Veränderungen werden früh sichtbar, sodass wir die Fütterung und das Management schnell und gezielt anpassen können. Gleichzeitig bildet sie eine wichtige Grundlage für meine Zuchtentscheidungen und trägt dazu bei, die Wirtschaftlichkeit meines Hofs nachhaltig zu verbessern.“ Und als Georg Ertl uns zum Abschied an die Türe begleitet, verrät er noch schnell: Die Rind App und die Container App seien auch spitze. Beide Apps seien hervorragend für die Besamung geeignet. „Die Verwaltung der Bullensamen im Stickstoffcontainer ist mit der Container App besonders einfach und effizient. Gleichzeitig ist die LKV-Rind App ideal, um Besamungen schnell und zuverlässig zu melden.“ Und er fügt hinzu: „Besonders überzeugend ist die Verknüpfung beider Apps: Alle im Container vorhandenen Samenportionen sind direkt in der Rind App hinterlegt und jederzeit einsehbar. Dadurch lassen sich Besamungen viel einfacher und strukturierter durchführen. Auch die Bestandsführung ist optimal organisiert – bei jeder Besamung werden die verwendeten Portionen automatisch abgebucht. So bleibt der aktuelle Bestand jederzeit korrekt in der App sichtbar – ohne dass man den Container öffnen muss!“
Das freut uns natürlich sehr, und wir hoffen, dass unsere Apps und Anwendung sowie unsere Beratung auch weiterhin das Tierwohl auf dem Moarhof fördert und Georg Ertl bei betrieblichen Entscheidungen unterstützt.
Jutta Maria Witte
Die LKV-Tierwohl App – erklärt von LKV-Tierärztin und Pro Gesund-Leiterin Sabine Rudin
Das Tierschutzgesetzt schreibt eine so genannte betriebliche Eigenkontrolle vor, die anhand von „geeigneten tierbezogenen Merkmalen (Tierschutzindikatoren)“ durchgeführt werden muss. Hierfür lassen sich Daten aus der Milchleistungsprüfung, wie beispielsweise die Zellzahl, heranziehen: Aus diesen Werten kann weitgehend auf das Wohlergehen der Tiere geschlossen werden. Entsprechende Auswertungen sind im Q-Check verfügbar.
Aber auch direkt am Tier erhobene Daten sind ein wesentlicher Bestandteil der betrieblichen Eigenkontrolle. Genau an dieser Stelle setzt die LKV-Tierwohl App an. Die App bietet eine gut sortierte und benutzerfreundliche Möglichkeit für diese Dokumentation. Die Daten werden direkt digital in den Auswertungen im Herdenmanager weiterverarbeitet und können nicht wie bei der „Zettel-und-Stift-Methode“ verloren gehen.
Ein besonderer Vorteil der Tierwohl App sind die zahlreichen aussagekräftigen Bilder und Videos, die eine einfache und sichere Beurteilung ermöglichen. Gerade bei den Kategorien „Lahmheit“ und „Körperkondition“ ist nicht jeder Tierhalter geübt. Ein quizartig aufgebauter Lernmodus unterstützt hier die Einarbeitung in die App und fördert die Schulung der eigenen Wahrnehmung. Gut zu wissen: Bei der Körperkondition unterscheidet die App zwischen den Rassen Fleckvieh, Braunvieh und Schwarzbunt, je nachdem, welcher Rasse das ausgewählte Tier angehört.
Die über die Tierwohl App erhobenen Daten werden selbstverständlich nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Landwirts weitergegeben. Im Herdenmanager werden sie unter dem Menüpunkt ‚Betriebliche Eigenkontrolle‘ für den Betrieb ausgewertet. Ampelfarben zeigen auf einen Blick, wie der Betrieb in Bezug auf die einzelnen Parameter innerhalb der Grenzwerte liegt. Außerdem lässt sich aus dem Herdenmanager eine Bestätigung zur Nutzung der App und zur Durchführung der betrieblichen Eigenkontrolle erstellen – ohne die farbliche Einstufung –, die bei einer Kontrolle vorgelegt werden kann.
Die LKV-Tierwohl App ist für alle MLP-Betriebe kostenlos und kann ganz einfach im Playstore heruntergeladen werden. Sie ist für Android Geräte nutzbar, braucht jedoch in der Anwendung eine Internetverbindung. Die IOS-Version ist in Planung.
Bei Fragen dazu wenden Sie sich gerne an: Sabine Rudin, progesund@lkv.bayern.de, Telefon 089/544348948.


