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LKV Bayern – unsichtbare Infrastruktur für eine sichere Lebensmittelversorgung in Bayern und darüber hinaus

LKV Bayern – unsichtbare Infrastruktur für eine sichere Lebensmittelversorgung in Bayern und darüber hinaus

Die Sicherung der Lebensmittelversorgung ist eine der zentralen Herausforderungen moderner Agrar- und Ernährungssysteme. Im Freistaat nimmt dabei das LKV Bayern eine Schlüsselrolle ein – nicht als Produzent von Lebensmitteln und „Lebensmittelversorger“, sondern als praxisnahe Organisation, die die Leistungsfähigkeit, Gesundheit, Robustheit und Qualität der Nutztierhaltung langfristig sowie in möglichen Krisensituationen absichert. Damit wirkt das LKV Bayern als tragende Infrastruktur im Hintergrund der bayerischen Lebensmittelproduktion – in enger Abstimmung mit dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (StMELF), der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und weiteren Partnern.

Leistungs- und Qualitätsmonitoring als Fundament für unsere Mitgliedsbetriebe

Das zentrale Arbeitsfeld des LKV Bayern ist das Erzeugungs- und Qualitätsmanagement in Form der Milch- und Fleischleistungsprüfung inklusive Beratung in ganz Bayern. Durch objektive und abgesicherte Einzeltierdaten werden Gesundheit, Fruchtbarkeit, Lebensdauer sowie Leistungs- und Qualitätsparameter der Tiere systematisch erfasst und veredelt. Diese Informationen bilden die Grundlage für fundierte Entscheidungen in den Bereichen Einzeltierbetreuung, Fütterung, Zuchtauswahl, Herdmanagement, Effizienzverbesserung, Klimaeintrag und Vermarktung. In Bayern sind über 14.300 Betriebe und rund 870.000 Milchkühe in die Milchleistungsprüfung und Beratung eingebunden. Die kontinuierliche Datenerhebung und Auswertung zur Tierbetreuung leistet einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung von Produktionsmengen und -qualitäten in unseren Milchviehbetrieben. Sie ermöglicht es, Schwankungen frühzeitig zu erkennen und gezielt gegenzusteuern. So tragen unsere Landwirte maßgeblich zur Sicherstellung der Grundversorgung mit Lebensmitteln wie Milch und Fleisch bei. Diese meist unsichtbare Infrastruktur einer sicheren Lebensmittelversorgung ist ein zentraler Baustein im Aufgabenbereich des LKV Bayern, den das LKV Bayern bereits während der Corona-Pandemie erfolgreich unter Beweis gestellt hat.

Futteranalytik als Schlüssel zur Tiergesundheit und Effizienz

Ein weiterer wichtiger Schlüsselbereich ist die Futteranalytik im auditierten LKV-Futterlabor Grub. Hier werden Futtermittel umfassend auf Nährstoffgehalte und mögliche Kontaminanten untersucht. Die Ergebnisse ermöglichen eine bedarfsgerechte und sichere Rationsgestaltung für das Einzeltier und die Herde und helfen, Nährstoffmängel oder Unterversorgungen zu vermeiden. Gesunde und robuste Tiere mit optimaler Fütterung erzielen stabile Leistungen und Erträge – ein direkter Beitrag zu Tierwohl, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit der Betriebe.

Betreuung und Beratung übersetzen Daten in die Praxis

Die Stärke des LKV Bayern liegt nicht allein in der Datenerhebung, sondern auch in der konsequenten Hilfestellung in der Praxis. Produktionstechnische Empfehlungen durch die LKV-Beratung im Bereich Milch sowie die Einzeltierbetreuung durch unsere LOPs und die Betreuung durch die Ringberater im Veredelungsbereich Fleisch sorgen dafür, dass Labor- und Leistungsdaten durch LKV-Mitarbeiter in konkrete Weiterentwicklungsmaßnahmen auf den Betrieben überführt werden. Ob Fütterungsoptimierung, Tierwohl, Hygiene oder Stallmanagement: Ziel ist es, die Gesundheit der Bestände zu verbessern, die Effizienz zu steigern und Ausfallrisiken zu reduzieren. Dies erhöht die Resilienz der Betriebe und stabilisiert die Produktionsleistung.

Datenbasis für Rückverfolgbarkeit, Planungsstrategien und Steuerung

Die vom LKV Bayern gesammelten Daten gehen weit über die Nutzung durch den einzelnen Betrieb hinaus. Sie bilden eine wichtige Entscheidungsgrundlage für Zuchtprogramme, Vermarktungskonzepte, nationales und internationales Monitoring sowie für agrarpolitische Bewertungen und Strategien in der Nutztierhaltung. Durch die systematische Auswertung lassen sich Produktionspotenziale identifizieren, Engpässe frühzeitig erkennen und Maßnahmen gezielt steuern. Damit leistet das LKV Bayern einen wesentlichen Beitrag zur Transparenz und Rückverfolgbarkeit in der tierischen Erzeugung. Dabei werden die Daten der Mitgliedsbetriebe absolut vertraulich behandelt; es liegt in der Entscheidung des Landwirts, wer welche Daten in welcher Form erhält.

Rolle in Krisen und Vorsorge

Auch in Krisensituationen übernimmt das LKV Bayern Verantwortung und unterstützt seine Landwirte: Bei Tierseuchen, Marktstörungen oder anderen Ausnahmesituationen beteiligt sich die Selbsthilfeorganisation an Informations- und Kommunikationsmaßnahmen und stellt Betrieben zeitnah belastbare Daten und Empfehlungen zur Verfügung. Dabei spielt die Zusammenarbeit mit dem StMELF und dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz eine erhebliche Rolle. Dieses Monitoring und die fachliche Unterstützung stärken die Widerstandsfähigkeit, tragen zum Erhalt der Leistungsfähigkeit unserer Landwirte in der tierischen Produktion bei und helfen, Versorgungsausfälle auch im Krisenfall zu vermeiden.

Bedeutung für die Lebensmittelversorgung

In der Gesamtschau wird deutlich: Durch höhere Effizienz, geringere Tierverluste und stabile Produktionsprozesse trägt das LKV Bayern zu Mengenstabilität und der Bereitstellung hochwertiger Basislebensmittel bei. Monitoring und Laboranalysen sichern Qualität und Lebensmittelsicherheit, während nachhaltige Produktionsweisen und verbessertes Tierwohl die langfristige Leistungsfähigkeit der Betriebe stärken. Objektive Leistungsdaten verbessern zudem die Marktfähigkeit und wirtschaftliche Stabilität der landwirtschaftlichen Betriebe – eine zentrale Voraussetzung für eine verlässliche regionale Lebensmittelversorgung. Darüber hinaus stärkt das LKV Bayern durch die gezielte Unterstützung regional verankerter Betriebe kurze Wertschöpfungsketten und trägt dazu bei, dass tierische Lebensmittel aus Bayern in verlässlicher Qualität und Menge regional erzeugt und vermarktet werden können.

LKV Bayern ist Schlüsselakteur

Das LKV Bayern ist kein Lebensmittelhersteller, aber als daten- und serviceorientierte Infrastruktur- und Beratungsorganisation ein unverzichtbarer Schlüsselakteur: Es erhält systematisch die Leistungsfähigkeit, Gesundheit und Qualität der tierischen Produktion in Bayern und stärkt damit unmittelbar die regionale Lebensmittelversorgung. Unsere Landwirte werden dabei unterstützt, die Bevölkerung mit Basislebensmitteln zu versorgen.

Perspektiven aus Politik, Praxis und Wissenschaft – gemeinsam für stabile Lebensmittelstrukturen

Wie zentral solche Strukturen für eine stabile, sichere und regionale Lebensmittelversorgung sind, zeigt sich jedoch nicht nur in der täglichen Arbeit des LKV Bayern. Entscheidend ist auch, wie diese Aufgaben im Zusammenspiel mit Politik, Beratung, Forschung und weiteren Institutionen der Agrar- und Ernährungswirtschaft wahrgenommen und eingeordnet werden – zumal die Sicherung der Lebensmittelversorgung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und Herausforderung ist. Vor diesem Hintergrund haben wir führende Akteure aus Praxis, Wissenschaft und Politik befragt, welche Bedeutung sie der Lebensmittelversorgung beimessen, welche Rolle sie selbst übernehmen und welchen Beitrag ihre Institutionen zur Sicherung von Qualität, Tiergesundheit und Versorgungssicherheit leisten.

In den Statements der aufgeführten Interviewpartner wird deutlich, wie brisant die aktuellen Herausforderungen in Bezug auf die Sicherstellung der Lebensmittel sind. Nachhaltigkeit, Regionalität und Innovationen werden besonders betont. Die politischen Rahmenbedingungen für langfristige Perspektiven sind ebenso wichtig, wie die gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung für den Berufsstand der Landwirte. Ein gemeinsames Ziel zieht sich durch alle Beiträge: die Stärkung regionaler Lebensmittelstrukturen, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten und die Unabhängigkeit des Landes zu festigen. Die folgenden Statements sollen dabei nicht verunsichern oder Ängste erzeugen, sondern aufzeigen, informieren und abbilden, wie engagiert und konstruktiv die Akteure dieser komplexen Branche bereits heute zusammenarbeiten, um den Herausforderungen der Zukunft – auch den noch unbekannten – verantwortungsvoll und lösungsorientiert zu begegnen.

Foto: © BMLEH

Staatssekretär im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat Prof. Dr. med. und Dr. med. vet. Markus Schick

Nicht erst der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine demonstrierte, dass wir eine resiliente staatliche und gesellschaftliche Sicherheitsvorsorge benötigen. Unsere Land- und Ernährungswirtschaft spielt mit den dort produzierten Nahrungsmitteln eine ganz zentrale Rolle. Die Sicherstellung der Funktionsfähigkeit der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette hat dabei höchste Priorität – ausgehend von der landwirtschaftlichen Urproduktion einschließlich Pflanzenbau und Tierhaltung, über die nachgelagerten Verarbeitungsstufen bis hin zum Handel.

Deutschland ist aktuell in der Lage, seine Bevölkerung über die eigene landwirtschaftliche Produktion weitgehend selbst zu versorgen. Bei vielen wichtigen Produkten, wie Kartoffeln oder Fleisch, liegt der Selbstversorgungsgrad deutlich über 100 %. Diese Selbstversorgung mit Grundnahrungsmitteln dürfte in absehbarer Zeit auch angesichts der Klimaerwärmung aufgrund der topographischen Gegebenheiten Mitteleuropas insgesamt nicht grundlegend in Gefahr sein. Dennoch können dahingehende Risiken ausgemacht werden, die insbesondere geringere Erträge je Flächeneinheit nach sich ziehen. Umnutzungen oder Versiegelungen landwirtschaftlich hochwertiger Flächen potenzieren diese Risiken und sind dringend zu minimieren. Die Landwirtschaft benötigt Fläche, um auch in Zukunft ausreichend Nahrungsmittel produzieren zu können. Dafür setzen wir uns ein.

Gleichermaßen bedeutsam sind Betriebsmittel, wie z. B. Treibstoffe, Dünger oder Futtermittel. Sie sind unabdingbar, um zu produzieren bzw. das aktuelle Produktionsniveau aufrechterhalten zu können. Hier stellt sich die Frage, wie die Landwirtschaft im Fall einer kriegerischen Auseinandersetzung ausreichend mit Betriebsmitteln versorgt werden kann. Auch dieses Thema gehen wir an. Es gilt nicht, „Panik“ zu verbreiten, sondern vorzusorgen: Unsere Ernährungsnotfallvorsorge erfährt deshalb ein umfassendes „Update“. Neben der bisherigen Einlagerung landwirtschaftlicher Rohprodukte setzt das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) sich dafür ein, zukünftig auch sofort verzehrbare Lebensmittel wie Konserven oder Trockensuppen bevorraten zu lassen. Ist die Versorgung aufgrund von Cyberangriffen oder Stromausfällen kurzfristig gestört, kann so unmittelbar geholfen werden. Dauert die Störung in einzelnen Regionen länger an, können auch Reis, Erbsen und Linsen aus den staatlichen Lägern zum Einsatz kommen. Das ist entscheidend, denn nicht alle Mitbürger können sich in solchen Situationen selbst helfen. Für den Fall der Fälle sollten wir aber alle vorsorgen: Jeder sollte selbstverständlich einen Lebensmittel- und Trinkwasservorrat zu Hause haben. Dabei halte ich mich an die Empfehlungen des BMLEH für jedes Familienmitglied, Lebensmittel- und Trinkwasser für mindestens zehn Tage im Haus zu verwahren.

Die Land- und Ernährungswirtschaft, zu der natürlich auch die tierische Veredelung angehört, ist als Teil unserer kritischen Infrastruktur von herausragender strategischer Bedeutung. Dem gilt es Rechnung zu tragen, und zwar nicht erst im Krisenfall, sondern bereits heute.

Foto: © Theresa Meyer

Frau Dr. Neubauer-Juric, Sie sind Vizepräsidentin des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Was sind die wesentlichen Aufgaben Ihrer Behörde, speziell bei der Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit in Bayern?

Antonie Neubauer-Juric: Das LGL ist die Fachbehörde Bayerns für Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit, Human- und Veterinärmedizin, Arbeitsschutz und Produktsicherheit. Im Rahmen des gesundheitlichen Verbraucherschutzes ist die Lebensmittelsicherheit in Bayern unser zentrales Ziel. Daher untersucht das LGL Lebensmittel im Hinblick auf Sicherheit und Irreführung für den Verbraucher. Darüber hinaus leistet das LGL fachliche und rechtliche Beratung für alle Lebensmittelüberwachungsbehörden in Bayern.

Welches sind die aktuellen Herausforderungen bei der Gewährleitung der Lebensmittelsicherheit für Ihre Behörde?

Antonie Neubauer-Juric: Neue Lebensmittelprodukte und Änderungen in Lebensmittelherstellung und -vertrieb können mit neuen Gesundheitsrisiken einhergehen. Ein wichtiger Punkt ist hierbei die zunehmende Globalisierung des Lebensmittelhandels. Unwetter, Krisen oder Kriege können zu Verschiebungen der Warenströme führen. Diese Faktoren können dann, zum Beispiel infolge geringerer Standards in den Herkunftsländern oder stärkerer Umweltbelastungen, Gesundheitsrisiken wie Belastungen mit Kontaminanten oder Rückständen mit sich bringen. Verknappungen von Lebensmitteln und steigende Preise können überdies das Betrugsrisiko erhöhen. Eng mit diesen Aspekten verbunden sind die Auswirkungen des Klimawandels. Extremwetterereignisse wie Trockenheit oder Überschwemmungen können direkt oder auch indirekt, beispielsweise durch erhöhten Schädlingsbefall, zu Qualitäts- und Ernteeinbußen führen. Klimatische Veränderungen können nicht nur die Verbreitung von Pflanzenschädlingen, sondern auch von Krankheitserregern oder deren Überträgern sowie von toxinproduzierenden Organismen fördern. Auch das Verbraucherverhalten ändert sich und zieht Risiken nach sich: Internethandel und Lieferdienste sind oft schwer zu überwachen. Hygienische Herausforderungen beim Versand verderblicher Lebensmittel müssen beachtet werden. Insbesondere in der boomenden Branche der Nahrungsergänzungsmittel (NEM) dominiert der Internetvertrieb. NEM bergen sowohl über die Art oder Dosierung ihrer Inhaltsstoffe als auch über falsche Bewerbung nicht selten gesundheitliche Risiken, derer sich die Verbraucher nicht bewusst sind.

Welche Möglichkeiten sieht das LGL, diesen Herausforderungen, insbesondere mit Blick auf zukünftige Entwicklungen, erfolgreich zu begegnen?

Antonie Neubauer-Juric: Neben der gezielten Durchführung von Betriebskontrollen und risikoorientierten Probennahmen werden zum Beispiel Schwerpunktprogramme zur Untersuchung von neuen oder kritischen Lebensmitteln durchgeführt. Zentrale Aspekte unserer Arbeit sind die Neu- bzw. Weiterentwicklung von analytischen Labormethoden, die Schaffung einer ausreichenden Datenbasis und die zeitgemäße fachliche Bewertung. Als interdisziplinäre Fachbehörde verfolgt das LGL dabei stets aktuelle Entwicklungen, Trends und den Stand der Wissenschaft. So haben wir am LGL ein System zur Risikofrüherkennung aufgebaut, welches unter anderem eine vom LGL mitentwickelte Software zur systematischen und umfassenden Analyse von Warenströmen und Lebensmittelpreisen als Frühwarnindikatoren nutzt. Auch die interdisziplinäre Fachgruppe Zoonosen des LGL, die sich mit der Übertragung von Infektionen zwischen Menschen und Tieren sowie mit der Analyse von lebensmittelbedingten Ausbruchsgeschehen befasst, trägt zu einer möglichst umfassenden Sicht auf die Lebensmittelkette im Sinne des One Health-Konzepts bei. Dieses fordert eine ganzheitliche Betrachtung der Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt, wie es ja auch dem Leitgedanken des LKV Bayern entspricht.

 

Jutta Maria Witte, Helen Fleckenstein

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