LKV Bayern und ZuchtData sind Partner im europäischen CEADS-Projekt: sichere Datennutzung für unsere Landwirte – europaweit
Das LKV Bayern und die ZuchtData EDV-Dienstleistungen GmbH sind als Mitglied im Rinder Daten Verbund (RDV) Partner im europäischen Leuchtturmprojekt Common European Agricultural Data Space (CEADS). Unter der Leitung von Dr. Florian Grandl, RDV-Geschäftsführer und LKV-Abteilungsleiter Digitalisierung und Coding, setzen wir damit – zusammen mit der österreichischen ZuchtData EDV-Dienstleistungen GmbH – ein starkes Zeichen für eine transparente, sichere und zukunftsgerichtete Datennutzung in der Landwirtschaft – für unsere Landwirtinnen und Landwirte.
Nutzung eines gemeinsamen europäischen Agrardatenraums – unter dem
Aspekt „Datensicherheit für unsere Betriebe“
Im Mai haben wir am Kick-off-Meeting des Projekts CEADS – Common European Agricultural Data Space in Gent, Belgien, teilgenommen. Ziel von CEADS ist es, ein sicheres, vertrauenswürdiges und interoperables Umfeld für den Datenaustausch im europäischen Agrar- und Lebensmittelsektor zu schaffen – also ein Umfeld, in dem verschiedene Systeme und Geräte nahtlos miteinander kommunizieren und zusammenarbeiten können. Damit soll nicht nur die wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Leistungsfähigkeit der Branche gestärkt, sondern auch sichergestellt werden, dass höchste ethische Standards eingehalten werden.
Datenmenge bietet Chancen – CEADS als Vertrauensgrundlage
In der modernen Landwirtschaft wächst die Menge an verfügbaren Daten rasant – ein Trend, der unter dem Stichwort „Data Growth“ auch Chancen bietet: etwa für präzisere Dünge- und Bewässerungsstrategien, die Früherkennung von Krankheiten in der Herde und bei Einzeltieren oder für optimierte Lieferketten. Gleichzeitig steht die Branche aber auch vor grundlegenden Vertrauensfragen – in den Bereichen Datensouveränität, Datensicherheit und Datenschutz auf der einen Seite und Vertrauensbildung durch Transparenz und Mehrwert auf der anderen Seite.
Zentral sind dabei Fragen wie: Wem gehören die erfassten Daten, wer trägt Verantwortung und wer erhält Zugriff und Kontrolle? Ebenso relevant sind die Anforderungen an Datensicherheit und Datenschutz, etwa durch IT-Schutzmaßnahmen und Anonymisierung. Für Vertrauensbildung braucht es darüber hinaus sichtbaren Mehrwert, verständliche Datenstandards und rechtssichere, nutzenorientierte Lösungen – damit Landwirtinnen und Landwirte fundiert in digitale Technologien investieren können. Hier setzt CEADS an: Das Projekt ist Teil der European Strategy for Data der EU und zielt darauf ab, eben diese Vertrauensgrundlage zu schaffen und einen sicheren und vertrauenswürdigen europäischen Datenraum für die Landwirtschaft aufzubauen. Im Zentrum steht der Datenaustausch zwischen Landwirten, Behörden, Forschung und Industrie, um Innovationen wie KI-gestützte Analysen, die grüne Transformation und eine administrative Entlastung, also Bürokratieabbau, zu ermöglichen.
Bestandteile CEADS und Nutzen
Die zentralen Bestandteile des CEADS-Projekts gliedern sich dabei in drei Bereiche: Governance-Modelle regeln Verfügungs- und Nutzungsrechte sowie Vergütung von Daten; eine technische Referenzarchitektur sorgt für standardisierte Schnittstellen und Interoperabilität – unter Einbezug bestehender Initiativen wie AgriDataSpace – und eine breite Stakeholder-Einbindung, also die Einbindung von Interessensgruppen, stellt Praxisnähe und Akzeptanz sicher. So können zukünftig alle beteiligten Unternehmen von diesem gemeinsamen Datenraum profitieren. Unsere Landwirte selbst gewinnen schlussendlich durch verbesserte Werkzeuge für die Zucht und das Herdenmanagement sowie – vor allem – durch die Verringerung des administrativen, bürokratischen Aufwands für die Eingabe und Nutzung von Daten bei hohen Datensicherheitsstandards.
Innerhalb von CEADS vernetzt der RDV bzw. das LKV Bayern landwirtschaftliche Betriebe, Unternehmen, Forschung und Verwaltung grenzübergreifend – für einen fairen, nachhaltigen und datengestützten Agrarsektor auf Basis des europäischen Rechtsrahmens und europäischer Werte. Ein besonderer Fokus liegt auf der Umsetzung praxisnaher Anwendungsfälle aus Pflanzenbau und Tierhaltung zur Erprobung des Datenraums in Deutschland und Europa. „Der Aufbau einer digitalen Infrastruktur, die es landwirtschaftlichen Akteuren in Deutschland und Europa ermöglicht, Daten sicher, kontrolliert und interoperabel auszutauschen, schafft klare Leitlinien für effizientere Ressourcennutzung, verbesserte Tierbetreuung und Tierwohl und reduziert den administrativen Aufwand in der Landwirtschaft“, erklärt Dr. Florian Grandl. „Als Partner des CEADS-Projekts will das LKV Bayern und die ZuchtData in der Verbundpartnerschaft mit dem RDV Synergien schaffen – zum Wohle unserer Landwirtinnen und Landwirte, der Nutztiere und für mehr Effizienz in der Landwirtschaft.“
Unter der Koordination von Anneleen De Visscher (ILVO Living Lab Agrifood Technology, Belgien) arbeiten über 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 36 Partnerorganisationen in 15 EU-Ländern gemeinsam an der Umsetzung.
Fazit
CEADS bietet Chancen: Das LKV Bayern will mit den Aktivitäten in diesem Projekt unseren Landwirtinnen und Landwirten die Arbeit erleichtern, ihren Betrieb digitaler und wettbewerbsfähiger machen – und das bei voller Datenhoheit.
Mehr Informationen über das CEADS-Projekt erhalten Sie unter www.ceads.eu.
Über den Rinder Daten Verbund
Der Rinder Daten Verbund (RDV) ist ein Zusammenschluss mehrerer regionaler Landwirtschaftsorganisationen in Deutschland und Österreich, der eine gemeinsame Datenplattform für Rinderdaten betreibt. Ziel ist es, Daten aus Tierhaltung, Zucht, Leistungskontrolle und Herdenmanagement effizient zu erfassen, zu vernetzen und landwirtschaftlichen Betrieben sowie Partnern zugänglich zu machen – unter Wahrung der Datensouveränität. LKV-Abteilungsleiter Digitalisierung und Coding, Dr. Florian Grandl, ist Geschäftsführer der RDV EDV Entwicklungs- und Vertriebs GmbH und verantwortet die strategische Ausrichtung sowie die operative Steuerung des Unternehmens.
Nachgefragt zum Thema „Nutzen von CEADS“ bei Dr. Florian Grandl, LKV-Abteilungsleiter Digitalisierung und Coding und Geschäftsführer der RDV EDV Entwicklungs- und Vertriebs GmbH
CEADS – worum geht es konkret? Heute fallen auf einem Hof viele Daten an, zum Beispiel Daten der MLP und der Tiergesundheit, Maschinendaten aus der Stallautomatisierung, Wetterinformationen, Betriebs- und Flächendaten etc. Diese Daten sind oft auf verschiedene Anbieter, Geräte oder Systeme verteilt. Mit CEADS will die EU eine gemeinsame Datenplattform schaffen, auf der diese Informationen sicher, kontrolliert und freiwillig zusammengeführt und genutzt werden können.
Was bringt das unseren LKV-Mitgliedern? Zum einen weniger Bürokratie und Verwaltungsaufwand: Statt Daten mehrfach in verschiedene Systeme einzugeben, können sie automatisch an die richtigen Stellen fließen – selbstverständlich nur, wenn die Landwirte es erlauben. Außerdem bessere Entscheidungen: Durch die Verknüpfung von Daten, zum Beispiel zur Milchleistung, Fütterung, Tiergesundheit, zum Stallklima oder von Tierarztbefunden, können intelligente Werkzeuge entstehen – für das Herdenmanagement, die Fütterung oder Gesundheitsvorsorge. Gleichzeitig bringt das Projekt auch einen Wettbewerbsvorteil: Mit einem besseren Überblick über die eigenen Daten können die Landwirte ihren Betrieb gezielter steuern – und wirtschaftlicher betreiben. Wichtig dabei ist immer: Die Landwirte entscheiden, wer ihre Daten sehen und nutzen darf. Die Datenhoheit bleibt bei ihnen. CEADS wird nach den strengen Datenschutzvorgaben der EU entwickelt. Die Nutzung ist freiwillig, und sie behalten jederzeit die Kontrolle darüber, wer auf ihre Daten zugreift. Genau dieser Aspekt „Data Governance“ ist ein zentraler Aspekt in CEADS.
Können Sie uns ein Beispiel aus der Praxis nennen? Schauen wir uns als Beispiel die elektronische Dokumentation von Klauenbefunden durch den Klauenpfleger an. Dies ist ein Beispiel, bei dem ein Datenraum im Kleinen bereits existiert: Über die vom LKV Bayern gepflegte RDV-Datenbank wird der Klauenpfleger mit der aktuellen Tierbestandsliste versorgt, so dass er ohne Handeingabe die Dokumentation seiner Tätigkeit tierspezifisch vornehmen kann. Durch die Rücklieferung der Befunde an die Datenbank profitiert der Betrieb durch eine hervorragende Datengrundlage für sein betriebliches Monitoring seiner Klauengesundheit, für das ihm zahlreiche Ansichten in den RDV-Onlineanwendungen zur Verfügung stehen. Darüber hinaus gehen die Klauenbefunde automatisch in die Zuchtwertschätzung mit ein. Ist der Betrieb Teil des GuR-Projekts, ist auch die Fördervoraussetzung der vollständigen Aufzeichnung von zuchtwertschätzrelevanten Merkmalen für diesen Bereich erfüllt. In Kombination mit weiteren Datenquellen, zum Beispiel Aktivitätssensoren, könnten diese Daten auch dazu beitragen, die Früherkennung von Lahmheiten zu verbessern. Ebenso könnten sich Audits von Qualitätsprogrammen vereinfachen, wenn Nachweise bereits durch elektronische Dokumentation vorliegen. All das geschieht, ohne dass an irgendeiner Stelle zusätzlich Daten händisch erfasst werden müssen – aber unter der Voraussetzung, dass die Zustimmung der Nutzung der Daten für all diese Zwecke vorliegt.
Jutta Maria Witte


