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Die Frau am Hof: Landwirtin Angela Prantler und ihre vielseitigen Aufgaben

Die Frau am Hof: Landwirtin Angela Prantler und ihre vielseitigen Aufgaben

Der Wecker von Angela Prantler klingelt um 4.45 Uhr – draußen ist es noch dunkel, doch ihr Tag hat bereits begonnen. Im Stall warten die Tiere, später im Haus die Kinder; dazwischen liegen unzählige Handgriffe, die erledigt werden müssen. Melken, füttern, organisieren, versorgen: Für die Landwirtin und fünffache Mutter aus Teisendorf reiht sich Aufgabe an Aufgabe – nicht nur unter der Woche, sondern auch am Wochenende. Was für viele unsichtbar bleibt, ist für sie Alltag: ein Leben im ständigen Spagat zwischen Hof und Familie, Verantwortung und Fürsorge, meist ohne Pause und – als mitarbeitende Familienangehörige – ohne Lohn.

Als wir Angela Prantler auf ihrem Hof im oberbayerischen Teisendorf, Landkreis Berchtesgadener Land, besuchen, ist es umtriebig im Haus: Fünf Kinder im Alter zwischen einem Jahr und neun Jahren wuseln und springen herum. Es sind Osterferien, und alle sind zuhause. Damit wir ungestört sprechen können, kümmert sich die Oma um die Mädchen, während Angela Prantlers Mann Martin den fünfjährigen Sohn mit auf die Baustelle im Stall genommen hat.

Angela Prantler mit der 3-jährigen Tochter Stefanie.

Wenn man krank ist, reißt man sich zusammen

Jeder Tag der fünffachen Mutter beginnt pünktlich um 4.45 Uhr. Schnell anziehen, Zähne putzen, Haare richten – denn um 5 Uhr startet die Arbeit im Stall. Gemolken wird im Doppel-6er-Melkstand, den sie jeden Morgen in eigener Regie betreut. Parallel kümmert sie sich um die Kälber, nachdem sie zuvor die Liegeboxen gereinigt hat. Ihr Mann Martin bringt das Futter für die Kühe und Färsen und erledigt die Arbeiten am Fahrsilo. Nach der Fütterung reinigt Angela Prantler den Spaltenboden mit dem Spaltenschieber, dann folgen die Feinarbeiten: Sie versorgt Färsen und Kälber mit Mineralfutter; ihre Schwiegermutter übernimmt den Futtertisch und verteilt das Kraftfutter. Abschließend machen Angela und Martin einen Rundgang zur Tierbeobachtung. Dabei lassen sie zunächst den Blick über die gesamte Herde schweifen, danach kontrollieren sie jedes einzelne Tier – mit Fokus auf Tiergesundheit, Wohlbefinden und Fruchtbarkeit. Als Angela Prantler schwanger war, kam ein Betriebshelfer zur Unterstützung. Aber wenn man krank ist, sagt sie, reißt man sich die eine Stunde am Morgen einfach zusammen.

Angela Prantler bei der Stallarbeit.
In den Ferien sind die Kinder dabei.

Büro- und Care-Arbeit

Nach getaner Stallarbeit weckt Angela Prantler um 6.45 Uhr die Schulkinder, bereitet das Frühstück vor und hilft beim Packen der Schulsachen, damit die beiden ältesten Töchter rechtzeitig den Schulbus erreichen. Sohn Georg wird in den Kindergarten gebracht, die beiden Jüngsten bleiben zu Hause bei ihr. Die Fahrt zum Kindergarten übernimmt ihr Mann, da die Einrichtung auf dem Weg zu seiner Arbeitsstelle bei einem Lohnunternehmer liegt. Für die junge Landwirtin heißt es jetzt Hausarbeit und Buchführung. Aufräumen, putzen, Wäsche waschen – zwei Maschinen am Tag – Rechnungen prüfen, Erfassen der Geschäftsvorfälle, Auswertungen für Behörden und Institutionen und Steuerangelegenheiten etc. „Manchmal passiert alles gleichzeitig“ erzählt Angela Prantler. „Eine Kuh kalbt, der Besamer kommt, und der Steuerberater ruft an. Da muss man schauen, dass die Kinder ruhig sind, sonst kann man sich nicht konzentrieren.“ Das ginge manchmal nur mit einem Stück Schokolade sagt sie. „Oder“, wirft ihre neunjährige Tochter ein, „mit dem Tablet“. Das Mittagessen wird von ihrer Schwiegermutter gekocht, das mache sie gern und nimmt Angela Prantler Arbeit ab. Außerdem gibt es ihr Zeit, Georg wieder vom Kindergarten abzuholen. Nach dem Essen steht für Angela Prantler die Hausaufgabenbetreuung an, und nicht vergessen werden darf ihre 94-jährige Schwiegeroma, die von ihr mitversorgt wird. Als ehemalige Krankenschwester ist sie für die Tablettengabe zuständig, unterstützt im Haushalt, begleitet sie zum Arzt und geht für die „Uri“, wie sie die Uroma ihrer Kinder liebevoll nennt, einkaufen. Das verbindet sie zumeist mit den eigenen Einkäufen für die Familie, bei Bedarf geht sie aber auch außer der Reihe los, zum Beispiel in die Apotheke.

Care-Arbeit im Hause Prantler: Angela Prantler versorgt Kinder und Uroma.

Die Arbeit reißt nicht ab

Um 16 Uhr steht die zweite Melkrunde an – mit Spaltenabschieben und Kontrolle von Kühen, Färsen und Kälber. 45 Milchkühe, zehn Kälber und 47 Jungtiere der Rassen Schwarzbunt und Fleckvieh versorgt das Ehepaar Prantler täglich – zusätzlich kümmert sich Martin um die drei Pferde. Bei der „Abendrunde“ schläft die einjährige Josefa im Kinderwagen glücklicherweise meistens ein; die größeren Kinder sind bei der „Uri“, die die Kinder in dieser Zeit geduldig betreut. Nach dem Abendessen um 18.30 Uhr ist Angela Prantler für ihre Familie da – gleichzeitig überdenkt sie noch einmal, ob sie alle wichtigen Aufgaben erledigt hat und was am nächsten Tag priorisiert werden muss. Um 21 Uhr geht sie ins Bett, „und es darf nicht später werden“, bemerkt sie.

Familie Prantler Foto: Veronika R. Berger Fotografie

Altersvorsorge: private Rentenversicherung

Neben den zahlreichen Aufgaben der Innenwirtschaft übernimmt Angela Prantler die Familienorganisation – von den Elternabenden über die Kindergeburtstage mit allem Drum und Dran bis hin zu den vielen kleinen Aufgaben, die im Hintergrund laufen. Darüber hinaus engagiert sie sich in den Arbeitskreisen von LKV-Fütterungsberaterin Jeanette Stockbauer.

Obwohl sie damit einen Großteil des täglichen Betriebs des Milchviehhofs trägt, ist sie offiziell nicht die Betriebsleiterin. Diese Rolle liegt bei ihrem Mann, der den Betrieb übernommen hat und sich um die Außenwirtschaft kümmert – 30,4 Hektar Grünland, 8,9 Hektar Acker und 16 Hektar Wald. Angelas Arbeit wird derzeit nicht entlohnt, doch ihre Tätigkeiten kommen dem Familienbetrieb zugute. Die junge Landwirtin bezieht Elterngeld und verwaltet das Kindergeld, das natürlich zweckgebunden ist. Um für das Alter vorzusorgen, zahlt sie zusätzlich in eine private Rentenversicherung ein.

Umbauarbeiten im Stall, Gespräch mit der Fütterungsberaterin – alles passiert oftmals gleichzeitig.
Der neue Stall von innen – die Bauarbeiten sind noch im Gange. Die tägliche Verantwortung für den Stallbau trägt Martin Prantler. Foto: Veronika R. Berger Fotografie

Verantwortung übernehmen für die Zukunft

Nach der Hofübergabe 2023 machten die Schwiegereltern klar: „Das ist jetzt euer Hof – ihr entscheidet.“ Gemeinsam beschlossen Angela und ihr Mann, den Betrieb weiterzuführen und mit dem vom Schwiegervater mitgeplanten neuen Boxenlaufstall auszubauen. Die Aufgabenverteilung ist dabei bewusst gewählt: Während Angela ihren Beruf als Krankenschwester aktuell nicht ausübt und den Familien- und Hofalltag organisiert, arbeitet ihr Mann zusätzlich als Angestellter bei einem Lohnunternehmer. So sorgt er mit einem planbaren Einkommen und regulärer sozialer Absicherung für die Sicherheit der siebenköpfigen Familie.

Um den Betrieb zukunftsfähig zu machen, haben sich die Prantlers entschieden, in den Stall zu investieren. „Mit unserem Gewinn wird zunächst die Investition abbezahlt“, erklärt Angela Prantler. Um als Frau wenigstens ein bisschen finanziell abgesichert zu sein, gibt es einen Ehe- und Erbvertrag zwischen den beiden, der Angela Prantler im Fall einer Scheidung eine Ausgleichsregelung für ihre Arbeit garantiert. Außerdem greift die so genannte Rückfallklausel hier nicht. Das bedeutet: Im Falle eines vorzeitigen Todes ihres Mannes fällt der Betrieb nicht automatisch an ihre Schwiegereltern zurück. „Damit haben wir beide zusammen die Hofnachfolge aktiv geregelt, das empfehle ich allen jungen Landwirtinnen“, betont sie. Betriebsleiter Martin Prantler befürwortet diese Regelung, weil er Angelas Arbeit für den Betrieb sehr schätzt und ihre Rolle für den Fortbestand des Hofs von großer Bedeutung ist.

Wichtig:  Ziel vor Augen haben

Noch ist der arbeitsintensive Stallneubau, um den sich in erster Linie Betriebsleiter Martin Prantler kümmert, nicht vollständig abgeschlossen. Angela Prantler überwacht dabei die Rechnungen, Genehmigungsverfahren, Termine und Fristen. Auch das geht über ihren Tisch. Zeit für sich selbst hat sie keine. Pausen muss man sich bewusst nehmen, sagt sie. Das geht erst, wenn die Arbeit gemacht ist. Hobbys, Freundschaften und Aktivitäten im Trachtenverein werden zurückgestellt. Auch für die Aufgaben bei Schul- und Kindergartenveranstaltungen fehlt ihr die Zeit. Ruhe findet sie im Garten und im Melkstand – das sei wie eine kleine Auszeit. Verständnis findet sie in den LKV-Arbeitskreisen, die sie besucht und in denen sie aktiv ist. „Hier treffe ich auf Gleichgesinnte, auf Frauen mit einer ähnlichen Biografie wie meine. Der persönliche Austausch ist hilfreich und gibt Energie.“ Gleichzeitig kann sie dort ihr Wissen erweitern und erhält wertvolle Tipps rund um die Milchviehwirtschaft.

Angela Prantler blickt zuversichtlich in die Zukunft und freut sich darauf, den Betrieb gemeinsam mit ihrem Mann Martin langfristig erfolgreich weiterzuführen. Die Vorstellung, irgendwann wieder mehr Zeit für sich, die Familie und Freunde zu haben, motiviert sie zusätzlich. „Man schafft das alles, weil man natürlich Freude an den Aufgaben und ein Ziel vor Augen hat“, sagt die junge Landwirtin. Auch anderen Frauen in einer ähnlichen Situation möchte sie Mut machen: „Nicht stehen bleiben, Veränderungen annehmen und sich etwas trauen.“ Ganz wichtig sei auch, dass sich junge Landwirtinnen nicht verunsichern lassen. Entscheidungen, die Angela gemeinsam mit ihrem Mann trifft, beispielsweise, müssen nur für sie beide stimmen – und sonst für niemanden. Dieses Selbstbewusstsein trägt sie durch ihren Alltag – und sie wird dafür geschätzt: Als verantwortliche Bäuerin wird sie von allen, ob Besamer oder Tierarzt, ganz selbstverständlich als kompetente Ansprechpartnerin auf Augenhöhe wahrgenommen.

Wir wünschen Angela Prantler und ihrer Familie weiterhin viel Freude bei ihren Aufgaben sowie viel Erfolg für die Zukunft!

Und passend zum Jahr der Landwirtin wünschen wir ihr und allen Landwirtinnen mit all ihren Aufgaben und der großen Verantwortung, die so viele von ihnen auf den Höfen tragen, dass ihre wichtige Arbeit sichtbarer wird. Dass das Jahr der Landwirtin 2026 – und die kommenden Jahre – echten Fortschritt bringt: hin zu mehr Sichtbarkeit und verbesserten Chancen, damit Deutschland den Anschluss findet, statt im europäischen Vergleich weiter hinterherzuhinken.

 

Jutta Maria Witte

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