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Alina Kretschmer – Hofnachfolgerin mit Sinn für Pragmatisums

Alina Kretschmer – Hofnachfolgerin mit Sinn für Pragmatisums

Alina Kretschmer ist 19 Jahre alt und bewirtschaftet mit ihrer Familie einen Schweinemastbetrieb in Bad Windsheim im Landkreis Neustadt an der Aisch. Nach ihrer erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung zur Landwirtin möchte sie im Frühjahr 2027 die Weiterbildung zur staatlich geprüften Wirtschafterin Fachrichtung Landwirtschaft absolvieren.

Alina Kretschmer Foto: privat

Wann war klar, dass Sie den Betrieb übernehmen werden?

Alina Kretschmer: Übernommen habe ich ihn noch nicht. In der Realschule haben wir Praktika absolviert. Außerdem habe ich freiwillig mehrere Ferienfirmentage in verschiedenen Bereichen gemacht. Aber ich habe festgestellt, dass mein Herz der Landwirtschaft gehört. Weshalb ich im September 2022 nach der 10. Klasse Realschule mit der Ausbildung zur Landwirtin angefangen habe.

Sie haben zwei Schwestern, haben diese auch Interesse an der Landwirtschaft?

Alina Kretschmer: Sie helfen gerne mal auf dem Betrieb mit. Sie haben beide einen Traktorführerschein und gehen auch gern in den Stall. Beide hat es aber beruflich in eine andere Richtung verschlagen. Die mittlere Schwester absolviert eine Ausbildung zur technischen Modellbauerin und die jüngste beginnt im Herbst eine Ausbildung zur Kauffrau für Groß- und Außenhandelsmanagement.

Für welche Entscheidungen hinsichtlich der Betriebsentwicklung sind Sie Ihren Eltern dankbar, was möchten Sie anders machen?

Alina Kretschmer: Ich würde nichts anders machen, es ist alles gut so, wie es ist. Meine Eltern haben die Schweinehaltung ausgebaut. Bis 2006 hatten wir neben der Schweinehaltung noch Milchkühe. Aus verschiedenen Gründen haben meine Eltern sich damals dafür entschieden, die Schweine zu behalten. Im Sommer 2006 hat dann die letzte Kuh den Stall verlassen. Seitdem wurde die Schweinehaltung weiterentwickelt und zukunftsfähig gemacht. Dafür bin ich meinen Eltern dankbar.

Wie viele Frauen haben Sie in Ihrer Ausbildung begleitet? Sind Ihnen Frauen begegnet, die eine Vorbildrolle für Sie eingenommen haben?

Alina Kretschmer: Insgesamt waren es acht Frauen, die eine wesentliche Rolle in meiner Ausbildung gespielt haben. Auf meinem ersten Lehrbetrieb gab es neben der Seniorchefin noch zwei Arbeiterinnen, die zu diesem Zeitpunkt auf dem Betrieb angestellt waren. Von allen dreien durfte ich viel lernen. In meinem zweiten Lehrbetrieb arbeiteten die Chefin, die Seniorchefin sowie zwei weitere Auszubildende, die zusammen mit mir dort waren. Und schließlich ist da noch meine Mutter zuhause. Jede einzelne dieser Frauen hat mir etwas beigebracht und mich geprägt.

Sind Sie Vorurteilen begegnet?

Alina Kretschmer: Nein, bis jetzt nicht wirklich.

Wie sind Ihre Pläne bezüglich Betriebsübernahme und -führung?

Alina Kretschmer: Pläne bezüglich der Betriebsübernahme gibt es noch nicht, erstmal möchte ich die Winterschule und die HLS fertig absolvieren. In der Führung möchte ich es genauso gut miteinander handhaben, wie mein Vater und mein Großvater es mir vorleben.

Was sind die größten Herausforderungen, die Sie auf sich als Betriebsleiterin

zukommen sehen?

Alina Kretschmer: Bis jetzt lass ich das gerne noch auf mich zukommen. Worin die Herausforderungen bestehen, wird früh genug klar.

Was denken Sie, warum Deutschland und Bayern im Vergleich so wenig

Betriebsleiterinnen haben?

Alina Kretschmer: Ich denke, die Landwirtschaft ist gerade generationenübergreifend im Wandel. Bis vor 40 Jahren war das noch nicht so üblich, dass die Frauen Betriebe leiten. Sie hatten andere Rollen in der Ehe und auf dem Hof.

Wie stellen Sie sich die perfekte Aufgabenverteilung zwischen Ehepartnern auf einem landwirtschaftlichen Betrieb vor, inklusive der Aufgaben in Büro und Haushalt?

Alina Kretschmer: Ich habe kein Problem damit, wenn ich einen Partner finde, der keinerlei Interesse an der Landwirtschaft hat. So eine Situation ist auch nicht unlösbar, und somit sind wir wieder beim Wandel der Zeit. Prinzipiell bin ich offen dafür. Aber sollte ich den Bauern meiner Träume finden, wird jeder seine Stärken und Schwächen haben. Daraus werden sich auch Kompromisse und Lösungen ergeben. Jeder darf mal Dinge tun, die ihm oder ihr Spaß machen, aber auch mal solche, die man nicht so gerne macht. Das ist natürlich die Idealvorstellung! Sollte es anders sein, lasse ich mich überraschen, wie es sich ergibt.

Was möchten Sie Ihren Berufskolleginnen und -kollegen zum Thema Frauen in der Landwirtschaft mitgeben?

Alina Kretschmer: Ich finde es gut, dass Frauen immer mehr den Mut finden, in einem eigentlich typischen Männerberuf Fuß zu fassen und sich trauen, diesen Beruf auszuüben und Durchhaltevermögen und Willensstärke zeigen.

Liebe Frau Kretschmer, vielen Dank für Ihre interessanten und besonnenen Gedanken!

 

Sonja Hartwig-Kuhn

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