Für das Surfen auf dieser Seite aktivieren Sie bitte JavaScript in Ihrem Browser

  • Melkbarkeit bei Ziegen
    • Milchfluss
    • Maßzahlen der Melkbarkeit
    • Einflüsse auf dem Milchfluss

Melkbarkeit bei Ziegen

Melkbarkeitsprüfung Ziegen Eingangsbild

Bei immer größer werdenden Ziegenherden spielt zunehmend auch die Melkdauer des Einzeltieres eine Rolle. Betriebe, bei denen die Milchleistungsprüfung mit dem LactoCorder durchgeführt wird, können sich von Ihrem LOP die Milchflusskurven der einzelnen Tiere zeigen lassen.

Ein Blick in den Laptop lohnt sich! Es bestehen große Unterschiede zwischen den Tieren einer Herde! Langsam melkende Ziegen können den Melkablauf einer Gruppe entscheidend hemmen.

Milchfluss

Der Landwirt kann sich die Milchleistungskurven seiner Ziegen von Leistungsoberprüfer ausdrucken oder am Laptop zeigen lassen. Sie geben ihm Auskunft über die Melkbarkeit seiner Tiere. Der Blick auf die Milchflusskurve kann aber auch Schwachstellen bei der Melkroutine aufdecken oder Hinweise auf technische Mängel der Melkanlage geben.

Die wichtigsten Parameter der Milchflusskurven werden im Ergebnisbericht ausgedruckt.

Bei der Milchflusskurve unterscheidet man fünf Abschnitte:

  • den Anstieg: Einsetzen des Milchflusses bis zum Erreichen des Plateaus
  • das Plateau: Zeit zum Ende des Anstiegs bis zum Beginn des Abstiegs
  • den Abstieg: Ende des Plateaus bis zu einem Milchfluss von 0,2 kg/min
  • die Blindmelkzeit: Milchfluss unter 0,2 kg/min
  • das Nachgemelk: Wiederanstieg des Milchflusses über 0,2 kg/min
Einleitung des Milchabgabeverlaufs

Idealer Milch­fluss

Nach einer kurzen steilen Anstiegsphase, fließt die Milch gleichmäßig und zügig bis das Euter entleert ist. Es folgt eine sehr kurze Abstiegsphase gefolgt von einer sehr kurzen Blindmelkzeit

Ideale Milchkurve y-Achse = Milch-kg, x-Achse = Melkdauer in Minuten
Ideale Milchkurve

Langsamer Milch­fluss

Schlecht melkende Ziegen können bis zu dreimal so lange brauchen, wie gut melkende. Bei den folgenden Kurven unterschritt der Milchfluss sogar für längere Zeit den Grenzwert von 0,2 l/min. Die langen Melkzeiten von sieben bis zehn Minuten belasten das Euter. Auch besteht die Gefahr, dass die Tiere nicht ausreichend ausgemolken werden. Dadurch erhöht sich die Gefahr von Euterentzündungen.

Langsamer Milchfluss y-Achse = Milch-kg, x-Achse = Melkdauer in Minuten
Langsamer Milchfluss

Stufiger Milch­fluss

Stufige Milchflusskurven zeigen, dass eine Euterhälfte bereits ausgemolken war, während bei der zweiten noch Milch floss. Da sich die Milchflusskurven von verschiedenen Probemelken eines Tieres sehr ähnlich sind, hat das zur Folge, dass diese Euterhälfte bei jeder Melkzeit blind gemolken wird.

Stufiger Milchfluss y-Achse = Milch-kg, x-Achse = Melkdauer in Minuten
Stufiger Milchfluss

Blindmelken

Blindmelkzeiten belasten das Euter. Sie entstehen oft, wenn zu viele Melkzeuge von einer Person bedient werden.

Blindmelken y-Achse = Milch-kg, x-Achse = Melkdauer in Minuten

Bimodalität

Die bei Kühen beobachtete Bimodalität, das heißt Zweigipflichkeit, kommt bei Ziegen so gut wie nie vor. Der Grund dafür ist der unterschiedliche Euteraufbau. Während sich bei Kühen zu Melkbeginn in der Euterzisterne nur ca. 10-15% der Milch befinden und der Rest noch in den Alveolen gebunden ist, sind es bei Ziegen 50%. D.h. die Milch fließt bei Ziegen auch bei nur kurzer Anrüstzeit zunächst kontinuierlich bis das Oxitocin wirksam wird und die restliche Milch aus den Alveolen in die Zisterne entleert.

Maßzahlen der Melkbarkeit

DMHG – Durch­schnitt­liches Minuten­haupt­gemelk (kg)

Das DMHG ist die Milchmenge, die pro Minute gemolken wird, von Beginn des Anstiegs der Kurve bis zum Absinken des Milchflusses unter den Grenzwert von 0,2 kg pro Minute ermolken wird.

HMF – Höchster Milchfluss(kg)

Der höchste Milchfluss zeigt an, welche maximale Milchmenge kurzfristig fließt. Er spielt u.a. für die Dimensionierung der Milchleitungen eine Rolle. Ein zu hoher Spitzenfluss mehrerer Ziegen überfordert möglicherweise die Ableitung der Milch. Es kommt zu einem Milchstau und einem Vakuumeinbruch. Sehr hohe Milchflüsse beruhen oft auf einem schwachen Zitzenschluss. Daher werden sie häufig in Zusammenhang mit den Problemen der Eutergesundheit gebracht.

HMG – das höchste Minutengemelk (kg/min)

Das HMG (kg/min) entspricht der höchsten Milchmenge summiert über eine Minute. Diese Maßzahl hat etwas mehr Aussagekraft als der HMF, weil sie sich auf einen etwas längeren Zeitraum bezieht.

DHG – Dauer des Hauptgemelks (min)

Die Dauer des Hauptgemelks wird vom Anstieg der Milchflusskurve über 0,5 kg/min bis zum Abfall unter 0,2 kg/min berechnet. Für einen optimalen Melkablauf ist es vorteilhaft, wenn die Melkdauer innerhalb einer Melkstandgruppe möglichst gleichmäßig ist.

Plateauphase und Abstiegsphase

Für ein zügiges und Euter schonendes Melken sollte der Anteil der Plateauphase an der Hauptgemelksdauer bei mindestens 50% liegen. Im Zwischenbericht werden verschiedene Parameter hierzu aufgelistet:

  • Dauer der Plateauphase (min)
  • Dauer der Abstiegsphase (min)
  • Anteil der Plateauphase an der Hauptgemelksdauer (%)
  • Anteil Abstiegsphase über 2 Minuten (%)

Anteil Blindmelkzeit über 1 Minute (%)

Sinkt der Milchfluss unter 0,2 kg/min, so kennzeichnet der LactoCorder die folgende Laufzeit als Blindmelkzeit. Die Blindmelkzeit gilt als beendet, wenn der Milchfluss wieder über die Marke von 0,2 kg/min steigt bzw. das Melkzeug abgenommen wird. Wird allerdings das Melkzeug abgenommen ohne den LactoCorder auszuschalten, so entstehen scheinbare Blindmelkzeiten. Wenn Sie Ihre Melkarbeit realistisch überprüfen möchten, schalten Sie den LactoCorder beim Abnehmen des Melkzeuges immer aus.

Einflüsse auf dem Milchfluss

Die Erblichkeit für Melkbarkeit liegt bei etwa 0,3. D.h. etwa 30% der Unterschiede zwischen den Tieren werden durch die genetischen Veranlagungen der Tiere verursacht, aber 70% beruhen auf den Einflüssen der Umwelt. Naturgemäß spielt hier die Melkanlage eine große Rolle. Falsch eingestelltes Vakuum, falsche Pulsfrequenz, spröde, bzw. schlechtpassende Zitzengummis schaden dem Euter und verschlechtern auf Dauer die Melkbarkeit. Zu hohes Vakuum kann zu Beeinträchtigungen der Zitzenspitzen führen, die nicht nur das Infektionsrisiko erhöhen, sondern auch Schmerzen verursachen können. Eine suboptimale Arbeitsorganisation beim Melken kostet viel Zeit und kann hohe Blindmelkzeiten verursachen. Aufgrund der trockeneren Kotkonsistenz sind die Euter von Ziegen selten verschmutzt. Hier reicht oftmals ein kurzes Abreiben von Stroh oder Staub. Dadurch besteht aber die Gefahr, dass das Anrüsten des Euters sehr kurz ausfällt.

  • Melkbarkeit bei Ziegen
    • Milchfluss
    • Maßzahlen der Melkbarkeit
    • Einflüsse auf dem Milchfluss