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  • Melkbarkeitsprüfung bei Kühen
    • Die Milchflusskurve
    • Maßzahlen der Melkbarkeit
    • Einflüsse auf die Melkbarkeit

Melkbarkeitsprüfung bei Kühen

Euter Foto: T. Bloch, Bloch Werbemedien

Gute Melkbarkeit ist nicht nur die Voraussetzung für ein zeitsparendes Melken, sie schont auch das Euter und beugt Eutererkrankungen vor. Ausschlaggebend für die Melkbarkeit ist neben der, in einer bestimmten Zeiteinheit gewonnene Milchmenge, auch ein möglichst gleichmäßiger Milchfluss während der gesamten Melkdauer und eine gute Entleerung des Euters. Die Messung erfolgt entweder bei jedem Probemelken mit dem LactoCorder, einem elektronischen Milchmengenmessgerät oder mit einem mechanischen Milchmengenmessgerät und einer Stoppuhr.

Da die Milchleistungsprüfung in Bayern in 80% der Betriebe routinemäßig mit dem LactoCorder erfolgt, liegt von ca. 80% der Kühe ein Melkbarkeitsergebnis vor, welches für die Zuchtwertschätzung verwendet wird. In anderen Bundesländern ist von der Mehrzahl der Kühe keine Eigenleistung für die Melkbarkeit bekannt. Hier wird die Melkbarkeit nur bei Bullenmüttern und einer beschränkten Zahl von Nachkommen von Prüfbullen mit einer zusätzlichen Prüfung erfasst.

Die Milchflusskurve

Der Landwirt kann sich die Milchleistungskurven seiner Kühe vom Leistungsoberprüfer ausdrucken oder am Laptop zeigen lassen. Sie geben ihm Auskunft über die Melkbarkeit seiner Tiere. Der Blick auf die Milchflusskurve kann aber auch Schwachstellen bei der Melkroutine aufdecken oder Hinweise auf technische Mängel der Melkanlage geben.

Die wichtigsten Parameter der Milchflusskurven werden im Ergebnisbericht ausgedruckt oder können im RDV4M eingesehen werden.

Bei der Milchflusskurve unterscheidet man fünf Abschnitte:

  • den Anstieg: Einsetzen des Milchflusses bis zum Erreichen des Plateaus
  • das Plateau: Zeit zum Ende des Anstiegs bis zum Beginn des Abstiegs
  • den Abstieg: Ende des Plateaus bis zu einem Milchfluss von 0,2 kg/min
  • die Blindmelkzeit: Milchfluss unter 0,2 kg/min
  • das Nachgemelk: Wiederanstieg des Milchflusses über 0,2 kg/min
Einleitung des Milchabgabeverlaufs
  • Ideale Milchflusskurven haben:
    • einen steilen Anstieg ohne Bimodalität, d.h. ohne Einbruch
    • eine Plateauphase, die mindestens 50% der Gesamtmelkzeit umfasst
    • einen kurzen Abstieg ohne Stufen
    • eine kurze Blindmelkzeit und
    • eine geringe Nachgemelksmenge
Bimodalität
  • Von Bimodalität spricht man, wenn der Milchfluss während der Anstiegsphase plötzlich einbricht und dann wieder ansteigt. Bimodalität ist meist die Folge einer unzureichenden Stimulation des Euters und entsprechend verzögerter Oxytocinwirkung. Nach dem Ansetzen des Melkzeuges wird zunächst die Milch aus der Euterzisterne abgemolken. Ist zu diesem Zeitpunkt die Milch noch nicht aus den Alveolen eingeschossen, so kommt es zu einer Unterbrechung des Milchflusses. Sobald das Oxytocin wirkt, steigt die Milchflusskurve wieder an.

    Bimodalität führt häufig zu einem frühen Klettern der Melkzeuge und damit zu einem geringeren Milchfluss und entsprechend längeren Melkzeiten. Dadurch wird das Euter stärker belastet.

  • Stufiger Abstieg

    Ein stufiger Abstieg weist darauf hin, dass einzelne Euterviertel schneller ausgemolken sind als andere und dann gegebenenfalls blind gemolken werden. Die Ursache hierfür ist die Viertelverteilung der Kuh. Eine ideale Milchflusskurve hat immer einen gleichmäßigen, schnellen Abstieg.

Blindmelkzeiten
  • Blindmelkzeiten entstehen, wenn das Melkzeug noch am Euter bleibt, obwohl der Milchfluss bereits versiegt ist. Blindmelken belastet die Zitzen. Sie entstehen häufig, wenn eine Person zu viele Melkzeuge bedient, so dass sie nicht rechtzeitig das Melkzeug abnehmen kann.

    Wird bei einer automatischen Abnahme des Melkzeugs der LactoCorder nicht abgeschaltet, kann es allerdings zu scheinbaren Blindmelkzeiten kommen.

    Wenn Sie den korrekten Abnahmezeitpunkt überprüfen wollen, sollten Sie daher immer daran denken, den LactoCorder bei der Abnahme des Melkzeuges auszuschalten.

  • Nachgemelk

    Maschinelle Nachgemelke verlängern die Gesamtmelkzeit, ohne wesentliche Milchmenge. Während ein Teil der Landwirte generell auf das Nachmelken verzichtet, sind andere davon überzeugt, dass das vollständige Entleeren des Euters Euterkrankheiten vorbeugt. Daher sind viele Melkstände mit einer Nachmelkautomatik ausgestattet.

  • Wiederholbarkeit von Milchflusskurven

    Die Milchflusskurven eines Tieres in aufeinanderfolgenden Melkzeiten sind sich sehr ähnlich. Das zeigt, dass auch die Betrachtung einzelner Milchflusskurven einer Kuh sehr aussagekräftig ist.

Maßzahlen der Melkbarkeit

Die Melkbarkeit eines Tieres lässt sich anhand von verschiedenen Kennzahlen messen. Diese Maßzahlen finden Sie in Ihrem Ergebnisbericht bzw. in MLP-Online, wenn die Milchleistungsprüfung mit dem LactoCorder durchgeführt wurde.

DMHG – Durchschnittliches Maschinenhauptgemelk (kg)

Das DMHG ist die Milchmenge, die ab einem Milchfluss von 0,5 kg/min bis zum Absinken des Milchflusses unter den Grenzwert von 0,2 kg/min ermolken wird.

HMF – Höchster Milchfluss (kg)

Der höchste Milchfluss zeigt an, welche maximale Milchmenge kurzfristig ermolken werden kann. Sehr hohe Milchflüsse können ein Hinweis auf einen zu lockeren Schließmuskel sein, wodurch eine erhöhte Infektionsgefahr besteht.

HMG – das höchste Minutengemelk (kg/min)

Das HMG entspricht der höchsten Milchmenge summiert über eine Minute. Diese Maßzahl hat etwas mehr Aussagekraft als der HMF, weil sie sich auf einen etwas längeren Zeitraum bezieht. Hat die ganze Herde eine sehr hohen Milchfluss, muss das bei der Planung der Leitungsdurchmesser berücksichtigt werden.

DHG – Dauer des Hauptgemelks (min)

Die Dauer des Hauptgemelks wird vom Anstieg der Milchflusskurve über 0,5 kg/min bis zum Abfall unter 0,2 kg/min berechnet. Für einen optimalen Melkablauf sollte die Melkdauer innerhalb einer Gruppe im Melkstand möglichst gleichmäßig sein.

Plateauphase und Abstiegsphase

Für ein zügiges und euterschonendes Melken sollte der Anteil der Plateauphase an der Hauptgemelksdauer bei mindestens 50 Prozent liegen. Im Ergebnisbericht und im Betriebsvergleich in MLP-Online werden verschiedene Parameter hierzu aufgelistet:

  • Dauer der Plateauphase (min)
  • Dauer der Abstiegsphase (min)
  • Anteil der Plateauphase an der Hauptgemelksdauer in Prozent
  • Anteil Abstiegsphase über 2 Minuten in Prozent
Anteil Blindmelkzeit über 1 Minute (%)

Die Blindmelkzeiten werden berechnet vom Zeitpunkt bei dem der Milchfluss unter 0,2 kg/min sinkt bis zum Moment, wo er wieder die Marke von 0,2 kg/min überschreitet bzw. der LactoCorder abgeschaltet wird.

Nachgemelksmenge (kg)

Steigt der Milchfluss nach einem Abfall unter 0,2 kg/min wieder über diese Marke an, so wird die gewonnene Milchmenge als Nachgemelk bezeichnet.

Einflüsse auf die Melkbarkeit

Die Erblichkeit für Melkbarkeit liegt bei etwa 0,3, d.h. etwa 30% der Unterschiede zwischen den Tieren werden durch die genetischen Veranlagungen verursacht, während 70% auf Einflüsse aus der Umwelt beruhen. Naturgemäß spielt hier die Melkanlage eine große Rolle. Falsch eingestelltes Vakuum, falsche Pulsfrequenz, spröde und schlecht sitzende Zitzengummis schaden dem Euter und verschlechtern auf Dauer die Melkbarkeit. Eine suboptimale Arbeitsorganisation beim Melken kostet zusätzlich Zeit und kann zu Bimodalitäten führen. Zu hohes Vakuum ruft häufig die Bildung von Keratinringen hervor, die nicht nur das Infektionsrisiko erhöhen, sondern auch Schmerzen beim Tier verursachen können.

Unser LKV-Melkberater überprüft auf Wunsch Ihre Anlage und berät Sie gerne zu Melkarbeit und Milchhygiene.

Milchabgabeverlauf PC-Darstellung

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