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Bullenmast


Bullenmast unter neuen Rahmenbedingungen

Für die Rindermäster hat eine neue Zeitrechnung begonnen: Durch die vollständige Entkoppelung der Prämien hängt die Wirtschaftlichkeit des Betriebszweiges Rindermast nun entscheidend davon ab, welche „Direktkostenfreie Leistung ohne Prämie“1) im einzelnen Betrieb erzielt wird.

Leistungen und Wirtschaftlichkeit gesteigert

Im abgelaufenen Kontrolljahr wurden in den bayerischen Rindermastringen die Leistung- und Wirtschaftlichkeitsergebnisse von insgesamt 81828 Tieren erfasst, wobei die „Bullenmast ab Kalb“ mit über 43000 Tieren die größte Sparte darstellt. Nach den sehr mäßigen Wirtschaftlichkeitsergebnissen des Vorjahres stieg die „Direktkostenfreie Leistung ohne Prämie“ (DkfL o. Pr.) im Vergleich zum Vorjahr um 0,29 € auf 0,47 € je Tier und Tag an (Tabelle 1). Für das eingestellte Kalb wurden 10 € mehr bezahlt als im Vorjahr, aber gleichzeitig auch je kg Schlachtgewicht um 0,40 € mehr erlöst.

Erfreulich ist insbesondere das hohe produktionstechnische Niveau in den Ringbetrieben: so konnten im bayerischen Mittel die täglichen Zunahmen nochmals um 9 g auf 1240 g gesteigert werden, bei gleichzeitig ansteigendem Mastendgewicht.

Ergebnisse in den einzelnen Regionen

Weiterhin sind in Tabelle 1 die Ergebnisse in den einzelnen Fleischerzeugerringen zusammengestellt. Hierbei sind die teilweise deutlichen Unterschiede ein Spiegelbild der regional sehr abweichenden Grundfuttervoraussetzungen (Maiserträge und
-qualitäten, Anteil Grassilage) wie auch der sehr ungleichen Betriebsstrukturen und Organisationsdichten in den einzelnen Regionen.

Rentabilitätsreserven aufdecken

Die Gegenüberstellung der erfolgreichen und weniger erfolgreichen Betrieben zeigt auch in diesem Jahr die große Streubreite im Einkommensbeitrag des Betriebszweiges Bullenmast: Das obere Viertel der Betriebe mit Mast ab Kalb erzielt die 3,5-fache „Direktkostenfreie Leistung ohne Prämie“/Tier und Tag des unteren Viertels. Dies bestätigt die bekannte Forderung nach Mobilisierung aller produktionstechnischen Reserven. Insbesondere die Futter- und Kälberkosten, das Mastendgewicht, das Zunahmenniveau in Verbindung mit effizientem Kraftfuttereinsatz sowie die Verlustrate sind die wichtigsten Rentabilitätsfaktoren in der Bullenmast. Darauf müssen die Bullenmäster wieder stärker achten.

Bullenmast ab Fresser

Ähnlich wie in den Vorjahren ist die Bullenmast ab Fresser der Mast ab Kalb unterlegen. Die Differenz beträgt in diesem Jahr 0,11 € DkfL o.Pr./Tier und Tag (Tabelle 3). Die Mast ab Fresser bleibt damit eine Alternative für Bullenmastbetriebe mit knapper Arbeitszeit sowie Betriebe mit erhöhten Verlusten in der Kälberaufzucht infolge nicht optimaler Kälberställe. Bemerkenswert ist dabei, dass die TOP-Betriebe (obere 10 %) mit Fresserzukauf auch in diesem Jahr den TOP-Betrieben mit Kälberzukauf überlegen sind: Die TOP-Betriebe mit Fresserzukauf erzielten 0,86 € DkfL/Tier und Tag gegenüber 0,78 € DkfL/ Tier und Tag bei Mast ab Kalb. Voraussetzung für solche Spitzenergebnisse sind neben extrem niedrigen Verlusten (1,1 %) vor allem hohe tägliche Zunahmen bei optimiertem Kraftfuttereinsatz.

Was machen die TOP-Betriebe anders?

Die weitere Analyse der Ringergebnisse mit Hilfe der LSQ-Auswertung zeigt auch in diesem Jahr, dass sich TOP-Betriebe durch eine Vielzahl von Einflüssen von durchschnittlichen Betrieben unterscheiden (Tabelle 2) . Dies sind vor allem

  • gekonnter Kälber- bzw. Fresserbezug,

  • eine sehr gute Silomaisqualität mit mindestens 11MJME/kg TS,

  • ein optimierter Kraftfuttereinsatz,

  • betriebsangepasste Impfprogramme,

  • beste Umweltbedingungen in der gesamten Mast mit reduzierter Belegdichte.
  • Die Erhöhung des Platzangebotes in der Endmast auf mindestens 2,7 m2 je Bulle ist unabdingbare Voraussetzung für eine Bullenmast auf höchstem Niveau.

    Ringmitgliedschaft wichtiger denn je

    Die Kenntnis des einzelbetrieblichen Kennzahlen ist Grundvoraussetzung, um die Rentabilität des Betriebszweiges Bullenmast beurteilen zu können. Die Mitglieder des Fleischerzeugerringes ‚Sparte Bullenmast’ haben dabei den großen Vorteil, dass sie nicht nur Ihre eigenen Wirtschaftlichkeitszahlen kennen, sondern durch die Gegenüberstellung vergleichbarer Betriebe ihre Rentabilitätsreserven aufspüren können. Damit ist die Ringmitgliedschaft einer der wichtigsten Produktionsfaktoren im Bullenmastbetrieb der Zukunft.

    1)Die „Direktkostenfreie Leistung ohne Prämie“ entspricht dem Deckungsbeitrag II, also dem Deckungsbeitrag abzüglich der Grundfutterkosten.

    Peter Dufter
    Amt für Landwirtschaft und Forsten Traunstein